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Wochenimpuls vom 08.07.2020

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„Lass uns gehen“ – Wen das Fernweh packt, der …

Listen schreiben, Koffer packen, alles noch schnell aufräumen und nur nichts vergessen! Denn es geht ab in den Urlaub. Die Vorfreude ist groß, die Fahrt ist schon lange geplant und die Ferientage in vielen Farben ausgemalt, wie es denn sein werde. Hotel, Ferienwohnung, Zeltplatz oder welche Unterkunft auch immer – alles im voraus gebucht. Allein mit dem Gedanken an Urlaub nimmt  das Fernweh zu. Endlich weg!

Deutschland ist ein Reiseland – in den Sommerferien scheinen Menschen aus ganzen Landstrichen wie Bienen in die Welt auszuschwärmen.

Viele sehnen sich nach Erholung, sind urlaubsreif nach der Anstrengung in Beruf und Schule, wollen ausspannen und die Seele baumeln lassen. Manche  wollen Neues erleben und entdecken, aktiv werden und den eigenen Horizont in anderen Ländern und Kulturen erweitern. Manche wollen einfach den Alltag hinter sich lassen und etwas anderes, besonderes erleben. Andere suchen an vertrauten Orten das, was ihnen hilft, auszuspannen und aufzutanken. Wieder andere wollen sich selbst fordern. Die Liste mit Motiven und Anreizen ist lang, mindestens ebenso lang wie die Liste mit Zielen im In- und Ausland.

Und nun schlägt es wieder zu, dieses Doch. Doch in diesem Jahr ist es anders: Zur Vorfreude gesellt sich das Zittern und Bangen um den Urlaub. Kann ich fahren, ist das Land sicher, was mache ich, wenn ich in Quarantäne müsste, gibt es überhaupt Reiseverbindungen? Manche Fernreise wird schweren Herzens storniert und neue Ziele gesucht: Statt Spanien oder Amerika geht der Blick Richtung Nordsee und Ziele innerhalb Deutschlands. Aus dem Bergurlaub in Südtirol wird eine Wandertour in Österreich. Und manche sagen alles ab und bleiben dieses Jahr ganz zu Hause.

Wir alle haben eine sehr eigenwillige Zeit hinter uns bzw. stecken noch mittendrin. Gerade deswegen fühlen wir uns urlaubsreif: Jeder sehnt sich danach, die Anspannung der letzten Monate abzuschütteln, die Einschränkungen und Beschränkungen hinter sich zu lassen und wieder diese Freiheit, die uns als so selbstverständlich erscheint, einatmen zu können.

Die letzten Monate haben uns  gelehrt, uns auf das rückzubesinnen, was wirklich wichtig und lebensnotwendig ist. Und dies betrifft auch den Urlaub.

Allein der Gedanke, nicht überall dahin reisen zu können, wohin wir wollen oder überhaupt aus dem eigenen Landkreis weg zu können, irritiert und verunsichert uns. Wir, die wir jahrelang wie selbstverständlich ein oder zwei Mal im Jahr Urlaub machen, in andere Länder reisen und sie für uns einnehmen, als wären sie unsere Heimat, werden nun durch einen kleinen, unsichtbaren Virus aufgehalten. Wir, die wir uns nicht vorstellen können, wie es ist, unfrei zu sein, nicht alle Möglichkeiten zur Verfügung zu haben, eingeengt und reglementiert zu sein, wie es viele andere Menschen in anderen Ländern tagtäglich kennen, erleben nun hautnah massive Begrenzungen. Wenigstens vorübergehnd. Das macht nachdenklich und vielleicht auch ein Stück weit demütig.

Vielleicht tut diese verordnete Rückbesinnung gut und auch Not, vielleicht entdecken wir wieder neu oder überhaupt zum ersten Mal, wie schön und reich, wie spannend und eindrucksvoll die eigene Umgebung, das eigene Land sein kann, wenn wir hier Zeit verbringen und es auskundschaften, anstatt in die Ferne zu schweifen. Vielleicht schätzen wir die eigene Freiheit mehr und gehen achtsamer mit ihr und den Freiheiten anderer Menschen um. Vielleicht lernen wir in Dankbarkeit und Demut unsere „Sonnenseiten des Lebens“  zu schätzen und weiten den Blick auf Menschen zu, denen dies verwehrt ist. Vielleicht erkennen wir, wie zerbrechlich unsere Möglichkeiten sind und können auch die kleinen Dinge am Rand aus ganzer Seele auskosten. Denn es muss nicht immer größer, gewaltiger oder weiter sein. Vielleicht …. Das werden die kommenden Tage und Wochen zeigen.

Und so starten wir dankbar und demütig in diese Zeit und singen oder schmettern aus vollem Herzen mit der Popgruppe„Revolverheld“: „Lass uns gehen, lass uns gehen, lass uns gehen ….“.

 

Bleibt behütet!

Für die Pastoralteams der Seelsorgebereiche Alfter, Bornheim-Vorgebirge und Bornheim - An Rhein und Vorgebirge

Ihre Bernadette Molzberger, Pastoralreferentin

 

Weitere Informationen finden Sie unter www.kath-kirchen-bornheim.de, www.baruv.de  und www.pfarreiengemeinschaft-alfter.de