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Wochenimpuls vom 22.07.2020

Meine Zeit steht in Gottes Händen

Hier gibt es den Wochenimpuls als pdf

Meine Zeit steht in Gottes Händen

Liebe Schwestern und Brüder!

Liebe Leser und Leserinnen!

Als ich im Jahr 2018 regelmäßig Gottesdienste in der Kirche St. Mariä Hilf in Volmershoven-Heidgen feierte, da fiel mir in der Sakristei auf, wie sich das Vortragekreuz in der Sakristeiuhr spiegelte und griff kurz vor Beginn des Gottesdienstes zu meiner Kleinbildkamera. So entstand das Bild, von dem ich heute ausgehend ein paar Gedanken formulieren möchte.

Auf dem Uhrenglas spiegelt sich das Vortragekreuz: Jesus scheint, am Kreuz hängend, auf die Mitte der Uhr zu schauen. Sein Blick gilt meiner Zeit, gilt mir, der ich in dieser Zeit lebe.

Zeit erleben wir immer wieder anders. Mal scheint sich der Uhrzeiger kaum zu bewegen, die Zeit scheint stillzustehen. Und ein anderes Mal sind Sie vielleicht überrascht, wenn Sie wieder einmal auf die Uhr schauen, dass es schon so spät ist – und Sie fragen sich vielleicht, wo die Zeit nur geblieben ist. Das Verstreichen der Zeit erleben wir eben immer wieder anders.

Kindern ist es manchmal langweilig: „Mama, mir ist sooo langweilig. Ich weiß nicht, was ich tun soll.“ Und Erwachsene haben manchmal das Gefühl, irgendjemand würde an der Uhr drehen und der Zeiger sich viel schneller als früher bewegen. Dabei brauchen sie vielleicht nur für eine Tätigkeit etwas länger als früher, machen zwischendurch ganz selbstverständlich einmal eine Pause, nicken vielleicht sogar im Sitzen einen Moment ein. Zeit verstreicht dann viel schneller.

Zeit können wir annehmen als ein Geschenk. Wer eine Krankheit überstanden hat erlebt die Zeit vielleicht ein wenig anders als früher, vielleicht als geschenkte Zeit. Vielleicht erlebt man Momente bewusster, saugt sie wie ein trockener Schwamm auf. Andere entdecken Dinge neu, sehen sie mit neuen Augen. So geht es mir manchmal nach all dem, was ich im vergangenen Jahr krankheitsbedingt erlebt habe.

Im Gotteslob findet sich unter der Nummer 810 ein Lied von Peter Strauch, geboren 1943. Etwa 150 Lieder verfasste er vor allem in den 70-iger und 80-iger Jahren und tat viel für die Verbreitung des neuen geistlichen Liedgutes und der Jugendchorarbeit. Es lautet:

Refrain:
Meine Zeit steht in deinen Händen.
Nun kann ich ruhig sein, ruhig sein in dir.
Du gibst Geborgenheit, du kannst alles wenden.
Gib mir ein festes Herz, mach es fest in dir.

  1. Sorgen quälen und werden mir zu groß.
    Mutlos frag ich: Was wird morgen sein?
    Doch du liebst mich, du lässt mich nicht los.
    Vater, du wirst bei mir sein.
    Refrain

 

  1. Hast und Eile, Zeitnot und Betrieb
    nehmen mich gefangen, jagen mich.
    Herr, ich rufe: Komm und mach mich frei!
    Führe du mich Schritt für Schritt.
    Refrain
  2. Es gibt Tage, die scheinen ohne Sinn.
    Hilflos seh ich, wie die Zeit verrinnt.
    Stunden, Tage, Jahre, gehen hin,
    und ich frag, wo sie geblieben sind.
    Refrain

Eine besondere Antwort findet sich im Buch Kohelet im Alten Testament der Bibel, in der Lutherbibel „Prediger“ genannt. Im 3. Kapitel heißt es:

Alles hat seine Stunde. Für jedes Geschehen unter dem Himmel gibt es eine bestimmte Zeit:

eine Zeit zum Gebären /
und eine Zeit zum Sterben, /
eine Zeit zum Pflanzen /
und eine Zeit zum Abernten der Pflanzen,

eine Zeit zum Töten /
und eine Zeit zum Heilen, /
eine Zeit zum Niederreißen /
und eine Zeit zum Bauen,

eine Zeit zum Weinen /
und eine Zeit zum Lachen, /
eine Zeit für die Klage /
und eine Zeit für den Tanz;

eine Zeit zum Steinewerfen /
und eine Zeit zum Steinesammeln, /
eine Zeit zum Umarmen /
und eine Zeit, die Umarmung zu lösen,

eine Zeit zum Suchen /
und eine Zeit zum Verlieren, /
eine Zeit zum Behalten /
und eine Zeit zum Wegwerfen,

eine Zeit zum Zerreißen /
und eine Zeit zum Zusammennähen, /
eine Zeit zum Schweigen /
und eine Zeit zum Reden,

eine Zeit zum Lieben /
und eine Zeit zum Hassen, /
eine Zeit für den Krieg /
und eine Zeit für den Frieden.

Das Kreuz Jesu auf dem Schutzglas der Uhr in der Sakristei der Kirche St. Mariä Hilf sagt mir: Jesus hat gelebt zu seiner Zeit und wirkt hinein in die Jetztzeit. Seine Liebe, Barmherzigkeit, Verkündigung haben auch für uns Bedeutung. SEINE Zeit ist auch meine Zeit. Dankbar darf ich mich in meiner Zeit SEINER erinnern. „Meine Zeit steht in SEINEN Händen“. Liebevoll blickt er auf mich, schaut mich an. Bei ihm kann ich ruhig werden, finde Geborgenheit, kann mich festmachen.

Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Zeit.

Ihr Georg Theisen, Pfarrer i.R.