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Wochenimpuls vom 29.07.2020

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Juli 2020

Regentropfen der Sommerseele – Echo in den Brunnen der Stille

Vielleicht ist dies mein Sommer des Hineinspürens in die Sommerseele – ein Lieblingswort, nicht fest definierbar, immer wieder anders und doch spürbar gegenwärtig sinnlich. Sommerseele, der Klang des Wortes, nicht nur als geschriebener Ausdruck eines Gefühls, sondern gleichsam in diesem Moment für mich die Sommerseele selbst. Ich nenne es spontan den sound of silence, den Klang des Schweigens oder der Stille. Wenn etwas klingt, dann schwingt doch etwas mit und kommt als Echo zurück. Ich spüre, höre, sehe, taste das Klingen, es schwingt in mir und beschenkt mich mit einem klingenden Echo, das ich heute mit Ihnen teilen darf. Sound of silence, eine intuitive Wortwahl und doch, so heißt ein wunderbarer Song von Simon & Garfunkel, den ich, während ich dies schreibe, leise mitsumme. Und ich bin dann auch nicht mehr überrascht, wenn es in einer Zeile heißt:

„But my words like silent raindrops fell and echoed in the wells of silence.“

„Doch meine Worte fielen wie leise Regentropfen und hallten wider in den Brunnen der Stille.“

Das sind sehr poetische und melodische Worte, man kann es regelrecht spüren, wenn man sie laut spricht. Ich höre: Sommer und Regen, Trockenheit und der Segen des Regens, Durst und Erfrischung Sommerseele und segnende Regentropfen im Echo des Brunnens der Stille. Ich möchte ihnen nachgehen, diesen Sommerseelenregentropfen im Klang der Stille. Werde ich sie finden? Und was werde ich finden? Und ich lasse es einfach auf mich zukommen, diese Zeit der suchenden Inspiration.

Heute, in der Rückschau der vergangenen Wochen, schaue ich auf viele verschiedene kleine und große Momente und Augenblicke, gleichsam verschiedener Töne, die ich zu meinem Sommerseelenmusikstück hinzugefügt, ja vielleicht auch hinzu komponiert habe. Und es ist eine individuelle Melodie entstanden, mal im pianissimo, dann im

 

forte, crescendo und decrescendo, getragen nachdenklich oder aber fröhlich, zärtlich, liebevoll, lebendig tanzend, aufweckend. Und es war spannend zu entdecken, dass mich das Wort „Regentropfen“ nicht mehr losgelassen hat. Es zieht sich durch meine Sommermelodie. Ich erinnere mich an den Beginn eines Tages nach dem Regen in der Nacht, an dem ich mit dem Begriff der Frische in mir aufwachte. Es war so, als ob die Regentropfen der Nacht, von denen die kleinen in der Sonne glitzerten Pfützen zeugten, für mich gefallen seien und mir ein Wegzeichen geben würden bei meinem Losgehen auf dieser kleinen Suchreise. Und so habe ich den Klang von Wasser und seine Wirkung gesammelt: Wasser, das mich erfrischt, das beim Regen rhythmisch konzertiert, wenn tausend funkelnde Wasserperlen niedergehen und das Hausdach einer überdimensionalen Trommel in einem Naturmusikstück gleicht; das Wunder eines Tautropfen in der Blüte einer tiefroten Mohnblume, das sanfte Gurgeln einer Quelle, die zarten und rauen, die fordernden, die sanften und schneidenden, die warmen und die unerbittlichen Regentropfen, das Plätschern eines Brunnes verbunden mit dem Lachen eines Kindes, eine Träne, die endlich fließen kann, erleichtert, weil etwas in Bewegung kommt; das Wasser der Erft auf unserer Sommerradtour, wenn sich der kleine Fluss in vielseitiger Weise mal fast stehend, dann reißend, dann bezaubernd malerisch in wunderschöner Natur seinen Weg sucht und Lebensgeist für Fauna, und Flora wird, ich meine Kapriolen schlagende blaue Lieblingslibelle entdecken darf, die seltenen Wasservögel ihr Lied singen, die Bäume in der Flussaue im Einklang mit der Natur zu einem Gemälde einer bezaubernd, mystischen, bereichernden und friedlichen Anderswelt verschmelzen, dem großen Wasser Rhein entgegen; das dankbare Aufblühen meiner Rosen und des verloren geglaubten Oleanders. Es ist Wasser des Lebens, sei es kühlend, bewegend, heilend, mutmachend, die Lebensgeister weckend. Und doch, geht es uns nicht auch manchmal so, dass wir das Gefühl in uns haben, wie eine Pflanze zu sein, eine Blume, die halb verdorrt und erschöpft am Boden liegt, weil sie kein Wasser hat, gerade dann, wenn wir nicht weiterwissen, in einer Sackgasse feststecken, traurig sind und uns in Lebensängsten verstricken? Wer zeigt uns den Weg zur Quelle, hin zu unserem Brunnen der Stille, in dem unsere Seele wieder zum Klingen erweckt werden kann? Mit dieser Frage in Gedanken klingt ein leises Echo aus meiner Kindheit in mir. Ich liebe Märchen sehr, aus allen Teilen der Welt. In der Tiefe und

 

Vielfalt menschlicher Lebenserfahrungen entfaltet sich in ihnen in einzigartiger Weise Lebenserkenntnis, die Weisheit. Ich erinnere mich noch an das alte Märchenbuch meiner Mutter, das ich sehr geliebt habe, noch in Sütterlin gedruckt, der rote Leineneinband verblasst, die Seiten sichtbar unzählige Male gelesen. Dabei hat sich für mich vor allem ein Märchen tief eingeprägt. Wie oft ich es gelesen habe, das kann ich wohl nicht mehr sagen, außer, dass ich es nie vergessen habe: Die Regentrude von Theodor Storm (1864). Kurz flackert bei mir während dieses nostalgischen Gedankens die Frage auf, warum mir ausgerechnet jetzt dieses Märchen in den Sinn kommt; doch bevor ich die Frage zu Ende gedacht habe, weiß ich schon die Antwort: Es ist der Beginn des zauberhaften Märchens, die Stelle, in der es heißt, es gäbe gar keinen Regen mehr in der Welt…. Und kommt uns das nicht bekannt vor? Der Regen aber ist doch so notwendig, denn, so tradiert es das Märchen weiter, das Getreide ist verdorrt, glühende Hitze lässt die Felder und Bäche vertrocknen, selbst die Tiere verenden elendlich. Und dabei lacht sich der dafür verantwortliche hinterlistige Feuerkobold ins Fäustchen. „Die Regentrude muss eingeschlafen sein, aber sie kann geweckt werden", sagt Mutter Stine. „Und dann regnet es auch wieder." Der reiche Wiesenbauer lacht nur, glaubt er doch nicht an alte Märchen. Doch Maren, seine Tochter, und Stines Sohn Andrees machen sich auf die Suche in eine Anderswelt., Die Suche führt sie durch einen Baum, auf einer Treppe in das tiefe Erdreich zum Garten der Regenfrau und Maren gelingt es, die Regentrude zu finden und zu wecken…Damals habe ich mich ein wenig wie Alice im Wunderland gefühlt, so bin ich eingetaucht in diese Geschichte, an deren Ende sich alles zum Guten wendet, wenn der verloren geglaubte Regen die Märchenlandschaft zurück in eine grüne und frische Oase und damit verbundenen Fülle der Lebendigkeit verwandelt.

Meine Regentropfen, Klang der Stille meiner Sommerseele, ich habe sie gefunden. Es ist das lebendig machende Wasser, das mich frei werden lässt, alles verändert und wachsen lässt, vertrauend auf eine Leichtigkeit, die in der Dankbarkeit liegt oder sich mit ihr einstellt. Ein wunderbar kostbarer Gedanke, der mir in den letzten Wochen geschenkt wurde. Wir müssen nur den Mut haben uns voller Hoffnung, auch, wenn sie noch so gering erscheint, auf den Weg zu machen nach der Quelle, die alles zum

 

Erblühen bringt Dann können wir ihn finden, den Zugang, im Märchen der Baum. Wir treten ein durch die Tür des Lebens, zu ihm, der uns zugesagt hat: „Ich bin die Tür; wer durch mich hineingeht, wird gerettet werden; er wird ein- und ausgehen und Weide finden“ (Joh 10,9). Die Tür Jesu Christi, die für uns geöffnet ist, weil wir fest daran glauben, ihm unser Herz schenken. Wo, werden Sie mich vielleicht fragen, finde ich den Zugang, die Tür zu diesem mystisch anderen Ort? Und ich antworte Ihnen spontan und ohne nachzudenken: In unserem Herzen, wenn wir uns selbst als Sakralraum entdecken für und in unserem Gott, der die Liebe ist, der alles verändert und verwandelt.

Und ich ergänze den Songtext von Simon & Garfunkel:

Meine Worte der Liebe und Nähe, des Vertrauens, des Glaubens und der Hoffnung fallen wie leise Regentropfen und spiegeln sich im Echo in den Brunnen der Stille wider.

Und dann habe ich ihn gefunden, meinen sound of silence, es klingt in mir, es schwingt etwas mit und kommt gleichsam als Echo zurück:

Tanze im Regen, breite Deine Arme aus,

lass Dein Gesicht mit den kostbaren lebendigen Perlen des Wassers benetzen und lache!

Es lohnt sich!

 

Seien Sie behütet in allem, was ist!

Ihre und Eure

Ute Trimpert, Gemeindereferentin

Für die Pastoralteams der Seelsorgebereiche Alfter, Bornheim-Vorgebirge und Bornheim -An Rhein und Vorgebirge