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Wochenimpuls 02.09.2020

Hier. Bei Dir

Windsurfer

 Hier gibts den Wochenimpuls als pdf.

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Leserinnen und Leser.

Die wenigsten von Ihnen werden schon einmal auf einem Surfbrett gestanden und ausprobiert haben, mit einem Surfbrett und einem Segel über das Wasser zu gleiten. Ich habe dies auch noch nicht ausprobiert. Aber ich habe bei meinen regelmäßigen Urlauben auf der ostfriesischen Insel Baltrum oft die Surfschüler beobachtet. Sie üben bei Ebbe, dann, wenn das Wasser am Strand sehr flach ist und sie leicht nach einem Sturz vom Brett wieder aufsteigen können. Vor allem aber ist das Meer dann sehr ruhig, ohne große Wellen.

Zunächst bekommen die Anfänger eine theoretische Einweisung. Dabei geht es um die Techniken wie richtiges Stehen auf dem Surfbrett, Aufrichten des Segels, Spüren des Windes im Segel, Wendetechnik des Brettes usw.

Niemand stellt sich so einfach auf das Brett und fährt los. Oft habe ich beobachtet, wie Anfänger erst einmal fast erschrocken reagierten, als sie ihr Segel aus dem Wasser gezogen und aufgerichtet hatten und dann vorsichtig in den Winden drehten und den ersten Druck des Windes im Segel spürten und merkten, wie sich ihr Surfbrett bewegte. Es braucht Geduld, sich der Kraft des Windes auszusetzen, mit seiner Kraft sich zu bewegen. Mehr und mehr vertrauen sich Anfänger dieser Kraft an und fahren über das Wasser, lernen die Wende, das Segeln gegen den Wind. Surfer mit viel Erfahrungen fahren dann auch aufs Meer hinaus, wenn der Wind stärker und die Wellen höher werden. Manchmal springen sie dann regelrecht aus dem Wasser, schaffen vielleicht sogar einen Salto: das ist dann schon die hohe Schule des Windsurfens. Viele aber sind froh, wenn sie am Ende einer Kurswoche sicher auf dem Brett stehen können und sich zügig im Wind bewegen und die Wende mit wenigen Handgriffen schaffen.

Ich sehe darin ein Beispiel auch für den Weg zu Gott und mit Gott. Der Jesuitenpater  Alfred Delp formulierte es einmal so: „Man muss seine Segel in den Wind der unendlichen Liebe Gottes stellen, dann erst werden wir erfahren, zu welcher Fahrt wir fähig sind.“ Sich Gottes Liebe anzuvertrauen bedeutet zu erfahren, dass Seine Liebe uns weiterbringt, vorwärtstreibt. Und doch bin ich es, der das Segel hält, der es auch aus den Wind drehen kann. Gott überfordert mich nicht, ist wie ein geduldiger Surflehrer, der seinen Schülern immer wieder Ratschläge gibt, sie anleitet, Neues zu wagen, wenn eine Übung gut gelingt. Sich Seiner Liebe anzuvertrauen heißt dann Kraft zu schöpfen aus den Worten der Heiligen Schrift, aus dem stiller werdenden Gebet. In jedem Moment des Tages sich in seiner Gegenwart geborgen zu wissen, auch dann, wenn er scheinbar ganz weit weg ist. Ein Fisch im Wasser ist in seinem Element. So bin ich auch in ihm geborgen, auch dann, wenn ich es nicht spüre – ich weiß es einfach. Und so darf ich leben, mein Segel in den Wind der unendlichen Liebe Gottes stellen.  

In der nächsten Woche darf ich für ein paar Tage Urlaub wieder auf die Insel Baltrum fahren. Ich freue mich schon auf diese Tage und Erfahrungen mit und von seiner Liebe. Ich wünsche auch Ihnen in Ihrem Alltag die Erfahrung, dass ER bei Ihnen ist. Probieren Sie es aus. Stellen auch Sie Ihr Lebenssegel in den Wind der unendlichen Liebe Gottes. Gute Erfahrungen dabei wünscht Ihnen

Ihr Georg Theisen, Pfarrer i.R.

 

Weitere Informationen finden Sie unter www.kath-kirchen-bornheim.de, www.baruv.de  und www.pfarreiengemeinschaft-alfter.de