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Wochenimpuls vom 14.10.2020

Erwartungen

HIER. Bei DIR-Wochenimpuls der Hoffnung der SB Alfter, Bornheim-Vorgebirge und Bornheim-An Rhein und Vorgebirge

 

(Foto: privat)

Erwartungen

Jeder Mensch hat Erwartungen: an sich selbst, den Partner, die Familie, Freunde, Schule, Arbeitskollegen und Vorgesetzte, Gesellschaft und Politik, Kirche und Umfeld und und. Die Liste ist lang.

Jeden Tag erwarten wir ganz Unterschiedliches von verschiedenen Menschen, denn erwarten bedeutet: auf etwas warten, in Spannung sein, etwas vermuten und annehmen, hoffnungsvoll auf die Zukunft gerichtet.

Doch die Grenze zwischen freudigem, hoffnungsvollem und positivem Warten, das dem anderen etwas zutraut, ihn unterstützend fördert, und zu hohen, übertriebenen, überzogenen und falschen Erwartungen ist oft fließend und schwer erkennbar. Wie schnell werden Erwartungen zu Anforderungen und Forderungen, die keinen Spielraum oder Freiheit lassen, Druck erzeugen und einen Menschen so bedrängen, dass er überfordert an den zu hohen Erwartungen leidet und gar zu zerbrechen droht.

Ich blicke auf meine Kinder, die zahlreichen Erwartungen ausgesetzt sind: Leistungen bringen in Schule oder im Sport oder beim Musikunterricht, angemessenes und vorzeigbares Verhalten zu Hause und  im Freundeskreis. Wo ist dabei die Grenze von richtig im Sinne von Ansporn, Zutrauen, hilfreichen Regeln auf der einen und Überforderung, Druck, Einengung auf der anderen Seite? Wo wird zu viel erwartet? Diese oder ähnliche Fragen stellen sich jedem von uns in vielen Bereichen, z.B. im familiären Umfeld, bei der Arbeit, selbst in unseren Gemeinden und Vereinen.

Wie gehe ich mit all den Erwartungen um, die an mich herangetragen werden, mit den verschiedenen „Stakeholdern“, die wie bedrohliche Hände an mir zerren, weil jeder etwas von mir will und mich in seine Richtung ziehen möchte? Wie schaffe ich es selbst, mich von überzogenen Erwartungen und Forderungen zu befreien und abzugrenzen, damit es nicht in Überforderung mündet oder ich mich selbst verliere?

Und wie sieht es mit meinen eigenen Erwartungen an mich selbst und andere aus? Sehe ich, wenn meine Ansprüche zu hoch sind? Wenn die Gefahr, in einer der zahlreichen Perfektionismus-Fallen zu tappen, mehr als real ist? Und an welchen Stellen merke ich noch, dass ich mich zurücknehmen sollte, um dem anderen Raum zur Entfaltung und zur Aktivität zu lassen?

Das feine Maß der Unterscheidung, wann was Not tut und das Gute wirksam werden kann, ist nicht immer leicht zu finden. 

Auf der Suche nach einem wohltuenden Ankerpunkt und Korrektiv, damit ich mich selbst nicht im Hamsterrad eigener und fremder Erwartungen verstricke, finde ich in biblischen Texten und der Zusage Gottes: Du bist angenommen und geliebt vor aller Leistung!

Jesaja drückt diesen Gedanken so klar wie eindringlich aus: „Weil du in meinen Augen teuer und wertvoll bist und weil ich dich liebe, gebe ich für dich ganze Länder und für dein Leben ganze Völker.“ (Jes 43)

Und mein Blick auf Jesus zeigt mir genau diese große Gabe von Mensch zu Mensch: Er wandte sich  ohne ausdrückliche oder versteckte Erwartung von Gegenleistung an sein Gegenüber. Leistung ist nicht die Münze des Miteinanders. Es ist dieser Weg Jesu, der mir hilft, mit meinen Vorstellungen von Perfektion und den unterschiedlichsten Erwartungen innerlich frei und verantwortungsbewusst umzugehen.

Bitten wir Gott immer wieder um das Gespür für das richtige Maß, das Erkennen und Prüfen der eigenen Erwartungen, um die Barmherzigkeit mir selbst und anderen gegenüber und das Vertrauen in seine unbedingte gute Zusage.

 

Für das Pastoralteam der Seelsorgebereiche Alfter, Bornheim-Vorgebirge und Bornheim - An Rhein und Vorgebirge

Ihre Bernadette Molzberger, Pastoralreferentin

 

Weitere Informationen finden Sie unter www.kath-kirchen-bornheim.de, www.baruv.de  und www.pfarreiengemeinschaft-alfter.de