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Wochenimpuls vom 18.11.2020

Ein Wunder im November

HIER. Bei DIR

Wochenimpuls der Hoffnung der SB Alfter, Bornheim-Vorgebirge, Bornheim-An Rhein-Vorgebirge

Hier gibt es den Wochenimpuls als pdf

Wenn ich das kleine Wort Wunder höre, blitzen meine damit verbundenen ganz persönlichen Bilder auf. Und sie funkeln, strahlen Wärme aus. Es ist gleichermaßen das Unergründliche, geheimnisvoll Unbeschreibliche und gleichzeitig etwas, dass ich mir doch sehnlichst erhoffe, um das ich bitte, ohne es genau beschreiben zu können. Es ist ein Bild, mein persönliches Bild, dass mein Herz, meine Seele für mich malt. Und immer ist es anders. Was immer gleich bleibt, ist die Wärme, die ich damit verbinde - ein Gefühl, das mein Herz lächeln lässt. Anders vermag ich es nicht zu beschreiben. Unsere Sprache kennt Wunderworte, etwas ist wundervoll, angefüllt mit dem unergründlich Tiefem, für mich Ausdruck von Liebe. Im englischen sagt man „love is in the air“. Liebe ist ein Wunder, sie ist ganz einfach da. Sie geschieht. Und da, wo die Liebe ist, da ist Gott (1 Joh 4,16 f.), ein Satz, den ich, je älter ich werde, ganz deutlich zustimmen kann, einmal aufgrund der Rückschau auf mein Leben, im Blick auf das Jetzt der Gegenwart, aber auch mit dem Ausblick auf das , was ich mir erhoffe. Ein Stück Himmel auf Erden, ist das nicht ein Stück des Reiches Gottes, dass Jesus uns als seine zentrale Botschaft jetzt schon verspricht (1 Kor 15,28)? Daran muss ich oft denken. Und wenn er sagt, das Reich Gottes habe bereits begonnen, seine Gleichnisse erzählen davon, dann ist es doch auch mitten unter uns, hier in Bornheim, in meinem und in Ihrem Leben. Allein dies zu verinnerlichen, ist schon ein Wunder und eine aufgeregte Freude rührt sich in mir, mich aufzumachen, das Reich Gottes unter uns zu suchen, in der Hoffnung es erahnen und spüren zu dürfen. Als Kind - eigentlich auch heute noch - bin ich am liebsten in Märchen, Sagen und Geschichten aus aller Welt eingetaucht und oft dem Märchenreigen der Gebrüder Grimm, den ebenso magisch schönen keltischen oder mongolischen Erzählungen oder dem orientalischen Zauber von Tausend und einer Nacht hoffnungslos erlegen. Wann immer ich sie zur Hand nehme, blättere und lese, dauert es nicht lange und dann kann ich sie wieder spüren, diese anziehende Kraft, die meine Tür zu einer wunderschönen - und wunderbaren Anderswelt öffnet. Jene alten Märchen, die jahrhundertelang mit den Lebensklängen unserer Vorfahren weitergegeben und tradiert wurden. Oder später, die Erzählungen meiner Kindheit, ob Pippi Langstrumpf, die kleine Hexe, Momo oder Ronja Räubertochter, sie alle lassen in mir eine Saite anklingen, die ich immer wieder zum Musizieren bringen darf. Sie gehört zu mir, in diesen Erzählungen liegt etwas, was sich verwandelt, ein Ton, der mich trifft, wenn das Gute über das Böse siegt und etwas in Liebe verwandelt wird. Kinder können das so schön zum Ausdruck bringen. Sie bewahren sich das, was sie spüren können und bringen es wunderbar den Punkt. Und da ist es wieder, das Wörtchen wunderbar. Es gibt in meinem Leben diese wundervollen Momente, die ich mit Liebe anschaue, mit der sie mir gegeben wurden. Die Liebe als Mutter zu meinen Kindern und ich erinnere mich, wie unser Sohn, da war er noch ganz klein, mich eines Tages anschaute und sagte: „Mama, ich bin so froh, dass ich die Rutsche zu Euch aus dem Himmel hinuntergerutscht bin und nicht wo anders hin gerutscht bin“. Ein Satz, der mich immer noch zu Tränen rührt. Er hat mir mit seinen eigenen Worten genau das zurückgegeben, was er und seine Schwester sind, unser kleines Menschenwunder, ein Stück, Himmel, ein Geschenk. Wunder wirken, sie sind heilend, sie sind heilig. Vielleicht haben die Wunder der Heiligen genau diesen Sinn, etwas von der Verwandlung zu zeugen, die geschieht, wenn der Himmel die Erde berührt, etwas mit Liebe angeschaut wird. Am 19. November feiern wir den Gedenktag der Heiligen Elisabeth von Thüringen, eine bewundernswerte Frau, Sie lebte vor 800 Jahren und wurde nur 24 Jahre alt. Aber in diesen wenigen Lebensjahren dachte und tat sie Dinge, die bis heute weiterwirken, gilt sie doch bis heute als die Begründerin praktischer Nächstenliebe. Auch, wenn diese Geschichte 800 Jahre zurückliegt, sind die Fragen dieser Frau unsere eigenen Fragen. Und ihre Antwort ist bis heute gleichermaßen aktuell und radikal. Ihr Wirken ist ihre Antwort auf das Jesu Wort (Mt 25,40): „Was ihr einem unter diesen meinen geringsten Brüdern getan habt, das habt ihr mir getan.“ Schon zu Lebzeiten erzählten sich die Leute viel von Elisabeth, der ungarischen Königstochter, und ihrer Liebesheirat mit Ludwig, Landgraf von Thüringen, Sie hielten das Andenken einer Frau aufrecht, die die zu den Armen ging. Und je länger sie erzählten, desto wunderbarer wurden die Geschichten. Von dem Brot, das sie heimlich aus der Wartburg hinunter zu den Armen trug, das sich in Rosen verwandelte, als man sie stoppte und ihre Körbe aufgedeckt wurden. Es ist die Kraft der Verwandlung, die im Mittelpunkt der Legende steht. Die Verwandlung dessen, was durch Liebe geschieht. Dann kann man, wie Elisabeth, heilend wirken. Sie selbst sagt diesen einen wunderbaren Satz: „Seht, ich habe es immer gesagt, man muss die Menschen froh machen.“ Unsere Rosen des Lebens fangen in der Begegnung mit dem Nächsten an zu blühen. Gerade jetzt in dieser Corona Pandemie gilt es unsere Rosen zur Entfaltung zu bringen, in dem wir uns für die Menschheitsgemeinschaft gemeinsam und gegenseitig stärken, uns eben nicht alleine lassen und dennoch das Leben spüren und schmecken dürfen, vielleicht sogar intensiver als je zuvor. Diese Erfahrung mache ich gerade, wenn ich unterwegs bin, mir Worte, Gedanken aufschreibe, die mir begegnen, dass Wahrnehmen der Schönheit eines sich drehenden Herbstblattes, das Steigen eines Drachens, das ich seit Jahrzehnten nicht gemacht habe, das Bewundern des Morgennebels, die Herbstmetamorphose der Natur, das Spüren meiner selbst beim Rad fahren, die intensive Stille der Nacht, ein liebes Wort, ein Dankeschön. Es sind Rosenblüten für mich, neben all den Dornen, die das Leben auch bereithält und ich aushalten muss. Ich wünsche ihnen dieses unergründlich Wunderbare einer Elisabethrose. Zeichnen Sie ein Gedankenbild ihrer Rose oder nehmen Sie eine Rose zur Hand, schließen Sie die Augen. Erinnern Sie sich an ihren Duft, ihre sanften Blütenblätter - es ist Ihre. Die Rose, ihre Blütenblätter als Spirale angeordnet, Symbol der Ewigkeit, die Gott in unser Herz gelegt hat. Wir verbinden den November ja immer mit dem Novemberblues der Kälte, Dunkelheit, des Abschiedes. Ja und nein. In der Vergänglichkeit der Natur entfalten sich gerade dann so wunderbare Farben und bezaubernde Gebilde, wenn Spinnennetze mit Tropfenperlen verziert zu sein scheinen, der Raureif das Laub verzuckert, das kurze mystische Licht des Tages bezaubernd andere Schatten wirft, der aufgezogene Nebel die Konturen des Tages impressionistisch schön verwandelt., wenn im Abschied des Herbstes der elementare Duft der Erde eindringlich und anders aufgesogen wird, die Zwischenräume in den Bäumen weiter werden und Blickwinkel vergrößern, sich die kahlen Äste für die nächsten Monate als ein expressionistisches Kunstwerk zeigen werden, gleichsam einer Ausstellung, die es zu entdecken gilt. Ein Wunder. Ich spüre, dass in den wunderbaren Farben und Formen des Abschieds Bewegung ist, die Erwartung und Hoffnung auf etwas Neues liegt, vielleicht das Öffnen einer neuen Tür in einen noch unbekannten Raum der Lebendigkeit oder ein sich neu öffnendes Lebensfester, wo ein altes sich schließt. Und darum mag ich den November der Verwandlung bevor es im Winter stiller wird, die Natur ausatmet, um dann von Neuem Luft zu holen. Meine persönliche Rosenblüte des Novembers ist eine Begegnung, ein Gespräch über 17.000 km hinweg, an das andere Ende der Welt. Sie liegt etwa zwei Wochen zurück. Ich habe einen lieben Freund in Australien, in Melbourne. Er ist Redemptoristenpater in der samoanischen Gemeinde St. Albans. Und ein begnadeter Jazz-und Bluesgitarrist. Ein wahrer Künstler, er setzt seine Gabe auch gerne im Gottesdienst ein. Ich schrieb ihm, "Du musst einen Song gegen Corona schreiben". Und wenige Tage später erhielt ich eine Demoversion eines Songs (Originalsprache indonesisch) mit englischer Übersetzung. Auf meine Frage, ob ich seinen Text nutzen könnte, antwortete er. "Es ist dein Song, Ute. Alle meine Mitbrüder wissen, dass er für Dich ist. Du hast mir       gesagt,       ich       soll       ihn       schreiben.       Und        hier        ist      er". Ich bin immer noch sehr berührt. Ich habe den Text dann frei in Gebetsform übertragen und zum ersten Mal vor zwei Wochen während des Rosenkranzgebet der kfd in Walberberg gebetet. Es ist wunderbar zu wissen, dass wir auf der Welt so miteinander im Gebet verbunden sind, im Kampf gegen die Pandemie, auch dann, wenn große Entfernungen zwischen uns liegen. 
Seien Sie behütet in allem, was ist. Ihre und Eure Ute Trimpert, GemeindereferentinFür das Pastoral - und Seelsorgeteam Alfter Bornheim

*Heile uns Herr,*

es ist ein Unglück in der Welt Tränen der Trauer

Tränen der Traurigkeit

Siehe, ihre verzweifelten Gesichter gezeichnet vom Verlust ihrer Lieben

*Heile uns Herr,*

es ist ein Unglück in der Welt Tränen der Trauer

Tränen der Traurigkeit

Siehe, ihre verzweifelten Gesichter gezeichnet vom Verlust ihrer Lieben

*Heile uns, Herr*

Wann wird es enden?

unsere verletzten Seelen wenden sich Dir zu unsere Herzen voller Hoffnung

schreien nach deiner helfenden Hand.

*Heile uns, Herr*

Leid und Verzweiflung Sehnsucht nach Freiheit Sehnsucht nach Hoffnung mit Deiner Wirkkraft

mit Deiner Liebe

*Heile uns, Herr*

denn groß ist Dein Name.

(Pater O. Matutina und U.Trimpert)

Hören Sie nicht auf, ihr Herz zu öffnen und das Unergründliche wirken zu lassen. Tauchen Sie ein in die Segenskraft eines Wunders. Es wird ihnen geschenkt.

(Fotos: Andacht zum Gedenken an die Heilige Elisabeth von Thüringen, am 17. November 2020, St. Joseph, Kardorf)