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Wochenimpuls vom 23.12.2020

HIER. Bei DIR-Wochenimpuls der Hoffnung des Sendungsraumes Alfter-Bornheim

Darum ist Weihnachten nicht anders

Liebe Leserinnen und Leser

Morgen ist der 24. Dezember, Heiliger Abend, die Weihnachtstage stehen unmittelbar bevor. Ich höre gerade ein Potpourri weihnachtlicher Musik, in diesem Augenblick - Joseph lieber Joseph mein - und ich erinnere mich sofort an meine Großeltern. Ich sehe sie vor mir, während ich Ihnen in meiner Erinnerung dieses Weihnachtslied singe.  Als Kind habe ich oft und sehr gerne gesungen, diese Liebe ist mir immer geblieben. Und während ich weiter meiner Musik zuhöre, werde ich auch ein wenig wehmütig. Es ist die Unbeschwertheit dieser Kindertage, die ich vermisse. Wir sollen uns doch freuen: „Morgen Kinder wird’s was geben, morgen werden wir uns freuen, welch ein Jubel, welch ein Leben wird in unserem Zuhause sein“. Ich kann es noch auswendig und ich spüre, es wärmt mich noch immer. Aber wie soll das gehen, das Freuen, in diesem Jahr, mitten im Hochstand der Pandemie Corona, die die Welt in Atem hält. Mich erreichen heute sehr persönliche Zeilen, die mich sehr nachdenklich machen. Da heißt es: „Weihnachten in der heutigen Zeit – ein Fest der Familie? Dieses Jahr doch eher ein Fest der Hoffnungslosigkeit der Einsam - und Trostlosigkeit und ich weiß nicht, ob und inwieweit Gott für uns Menschen überhaupt noch existent ist, ist Gott nur eine altbackene Fantasie der Menschen, die in jedem Zeitalter eine Gestalt braucht Verzweiflung und Wut zu rechtfertigen, um so Mut und Hoffnung zu finden“. Und während ich diese Worte zitiere, höre ich: „Freut euch bald ist heilige Nacht, freue dich, dass Christkind kommt bald“ und ich frage mich noch einmal, wie passt das alles zusammen? Ich schaue aus dem Fenster. Mein Blick fällt auf meinen Jahreszeitenbaum. Sie kennen ihn schon. Da steht er in der Dämmerung des Tages und wenn die ersten Sterne aufkommen, der Himmel sich matt rosa verfärbt und wasserfarbenblau verläuft, erscheint er wie in einem Schattenspiel, verwunschen schön und doch in expressionistisch klarer Kontur.  Und dann höre ich es, dass für diese Jahreszeit unerwartete Gurren einer Taube und beginne sie zu suchen. Ich entdecke sie, majestätisch schön sitzt sie mir fast gegenüber. Mir ist, als würde sie mich direkt anschauen, mit mir in Blickkontakt treten. Ich schaue sie an und möchte sie fragen, ob sie mir helfen kann und gleichzeitig glaube ich, vielleicht wird sie genau das tun. Eine weiße Taube hat mich bereits an einem wichtigen und entscheidenden Punkt meines Lebens begleitet. Ganz still verharrte sie an meiner Seite und wartete bis sie mich allein zurücklassen konnte. Die Taube, Zeichen des Heiligen Beistandes, des Geistes. So habe ich sie immer gesehen, seit jenem Tag umso mehr.  Was willst Du mir sagen, frage ich Richtung Baum. Oder lass mich Dich etwas fragen, was mich gerade bewegt.  Ist Weihnachten dieses Jahr wirklich anders? Diese Frage begleitet mich bereits den ganzen Tag, zugegeben, eigentlich auch schon den ganzen Advent. Wenn ich die Zeitung aufschlage, mit Freunden, Menschen in meinem Umfeld spreche oder die Nachrichten höre. Die Taube verharrt ganz still.  Dies ist ihre Eigenschaft, sie ist ein leiser Vogel und ruhig schaut sie mich an.  Du Zeichen des Heiligen Geistes, willst Du mir sagen, dass Du nicht vor mir wegfliegst, Du bei mir bleibst? Mit dem Herz will ich das verstehen, aber mit dem Kopf? Ich schaue zurück auf das Weihnachtsfest meines Lebens und merke, dass es entsprechend meiner Lebenssituation, immer eine andere Nuance hatte, ganz subjektiv, aus der Sicht eines Kindes, einer jungen Frau, als Partnerin, als Elternteil in unserer eigenen Familie mit unseren kleinen und dann erwachsenen Kindern. Es ist verbunden mit Düften, Lachen, Erinnerungen, den mir damit verbundenen Menschen und ganz viel Herz. Weihnachten 2020 ist gekennzeichnet durch   eine weltweite lebensbedrohliche Pandemie, eine der größten Herausforderungen der Moderne. Ist es Zufall, dass ich gerade jetzt ­- Stille Nacht heilige Nacht - höre, ein altes und traditionsreiches Lied? Für viele Menschen ist es nicht nur ein Lied, sondern Musik, die aus der Seele kommt, die uns in seiner Unbeschreiblichkeit und Wärme berührt. Vielleicht ist es Ausdruck des Stück Himmels, den Maria unter ihrem Herzen und zu uns Menschen weiterträgt.  Dann, so denke ich weiter, kann ich das Jesajawort (Jes 60, 1-3): „Mache Dich auf und werde Licht“ besser verstehen, wenn ich ahne, dass ich es vielleicht in meinem Nächsten zum Aufleuchten bringen kann.  Und manchmal braucht es nur diesen kleinen Moment, das Hören eines Weihnachtsliedes, um sich dessen wieder bewusst zu werden. Es hilft mir heute, mir ehrlich einzugestehen, dass Weihnachten gerade nicht anders sind, sondern immer wieder verlässlich zu uns kommt. Wir bewerten es nur anders. Und genau an dieser Bewertung können wir drehen, wenn wir den Mut haben, die Heilige Nacht als das, was sie ist, als heilende Nacht, das Kind in der Krippe, als heilende Hoffnung auf Frieden, Gemeinschaft und Liebe wieder zu entdecken und anzunehmen.

Heilende Hoffnung, ein Begriff, den ich für mich in diesem Jahr neu entdeckt habe, ein Lieblingswort. Es steht für etwas, worauf ich warte und das ich erwarten darf. Wir sind Hoffnungsmenschen. Hoffnung ist mir gegeben und das Besondere an ihr ist, dass sie mir niemand nehmen kann.  Und gleichzeitig ist sie auch immer nach vorne gerichtet, sie bewegt. An Weihnachten wird Gott Vater, der gleichzeitig Geist ist, Mensch.  Er macht sich klein für uns-er wird Kind. Die Feier der Weihnacht ist mehr als nur eine Erinnerung an ein Ereignis vor 2000 Jahren, das seitdem wiederkehrend gefeiert wird. Wieder fällt mein Blick auf die Taube. Heiliger Geist, heilende Hoffnung, willst Du mir sagen, dass Du da bist, auch jetzt, nicht nur eine Erinnerung, die wir jedes Jahr wieder herausholen und in diesem Jahr eher widerstrebend und voller Fragen? Möchtest Du, dass ich erkenne, dass das Gestern und der Morgen immer miteinander untrennbar miteinander verwoben sind, es eine Zeitabgrenzung vielleicht gar nicht gibt, sondern nur ein Jetzt? Geschieht Weihnachten dann nicht jeden Tag? Und meine Taube sitzt immer noch ganz still auf dem starken Zweig, fast, als ob sie abwartete, wie ich weiterdenken würde. Ich spüre Energie in mir, passend zu dem fröhlichen Weihnachtssong auf meinem Musikmedley. Hoffnung kommt auf, Hoffnung auf die Weisheit als Verbundenheit mit Gott, als Heiliger Geist, auf die Selbstmitteilung Gottes, von der wir wissen, dass sie beweglicher als alle Bewegung ist, gerade nicht statisch wie eine Erinnerung, sondern „Hauch der Kraft Gottes, die alles erneuert und von Geschlecht zu Geschlecht in heilige Seelen eintritt“, wie der Geist so poetisch schön im Alten Testament, im Kapitel 7 der Weisheit beschrieben wird. Jesus Christus, menschgewordener Gott, menschgewordener Heiliger Geist, heilender Geist, lebendig machende Erneuerung gerade jetzt- und Corona zum Trotz.

Was können wir tun, um den Geist der Weihnacht heilend in uns zu tragen?

Vielleicht ist das einfache Ja von Maria die Antwort. (Lk 1,28 ff.) Wir müssen nur ja sagen, denn Gott hat längst ja zu uns gesagt. Vertrauen, dann sind auch wir Beschenkte, Begnadete, Hörende, mit ihm verwoben-unauflöslich, auch dann, wenn wir glauben den Kettfaden unseres Lebens verloren zu haben. Und doch dürfen wir sie vor Gott tragen, loslassen, ihm anvertrauen, unsere Verzweiflung, Angst, Traurigkeit, Hoffnungslosigkeit, unseren Klagepsalm des Lebens.

Und wie als Schlusssiegel schlagen die Glocken von St. Joseph-es ist 19:30 Uhr, sie lassen meinen ganzen Körper vibrieren, durchwehen vom heilenden Geist der Hoffnung, der uns an Weihnachten geschenkt wird-immer wieder neu. Und ich freue mich!

Darum ist Weihnachten nicht anders, sondern eine Stille Nacht, heilende Nacht.

 

 

Ihnen und Ihren Familien und Lieben wünsche ich ein gesegnetes Weihnachtsfest sowie ein gutes friedvolles, hoffnungsfrohes und heilendes Jahr 2021

 

Seien Sie behütet in allem, was ist.

Ihre und Eure Ute Trimpert, Gemeindereferentin

 

Für das Pastoral -und Seelsorgeteam des Sendungsraumes Alfter-Bornheim

 

 

Weitere Informationen finden Sie unter

 www.kath-kirchen-bornheim.de,

 www.baruv.de

www.pfarreiengemeinschaft-alfter.de

 

Maria,

mit deinem kleinen Wort ja

hast Du uns beschenkt

uns berührt

für immer

hinterlässt du Spuren

deine mutige Entscheidung

dein Wort

dein Lobpreis

nichts kann es ungeschehn machen

 

Maria,

deine Antwort

noch immer kann man sie hören

losgelöst vom Raum der Zeit

grenzenlos

eingeflochten

im Herzband der Liebe

Echo der Hoffnung

nicht gestern

nicht morgen  

Nein jetzt

Deine Herzensgeschichte

auf der Brücke der Zeit 

Jeden Tag neu

 

 

 

 

Maria,

Du weißt um den Schmerz des Dornwaldes

um die Dornen der Trauer

um die Dornen der Verzweiflung

Dornen der Angst

Doch Maria,

Du trägst ein Stück Himmel unter dem Herzen

Du trägst ein Stück Himmel zu mir

Eingeschrieben

In mein Herz

Mysterium

Geheimnisvoll

zärtlich

Heilende Rosen der Hoffnung

Im Dornengeflecht meines Alltages

 

Maria,

Zitternd ahne ich

Du lehrst mich

den Engel hören

wenn mein Herz zu mir spricht

Sei gegrüßt, Du Beschenkte

Der Herr ist mit Dir

Fülle des Lebens

Vollkommene Freude

Nach Hause kommen

Ankunft

Advent

 

Aber Maria

Wie soll das geschehen?

frage ich den Engel mit Dir

Und

ich hoffe auf deine Antwort für mein Leben

mir geschehe, wie du gesagt hast

 

(Ute Trimpert)

 

 

(Fotos: privat)