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Wochenimpuls vom 30.12.2020

HIER. Bei DIR-Wochenimpuls der Hoffnung des Sendungsraumes Alfter-Bornheim

Lebensminuten      

Liebe Leserinnen und Leser,

das Jahr neigt sich dem Ende zu. Es verabschiedet sich. Es ist eine Bewegung, die verlässlich wiederkehrt. - Zwischen den Jahren -  sagen wir in meiner Heimat. Und nicht selten bekomme ich die Frage gestellt: „Was machst Du zwischen den Jahren“? Da ist es wieder das Wort Zwischenzeit - zwischen Abschied und Sehnsucht. Abschied von einem Jahr, das als Coronajahr 2020 in die Geschichte der Welt eingehen wird und gleichzeitig meine Sehnsucht nach einem hoffnungsfrohen Jahr 2021 – eine Wellenbewegung? Und jetzt fühle ich , als wäre  ich ein Pendel, das zwischen zwei Polen hin und her schwingt, zwischen dem „es war“, „es ist“ und „es wird“. Und ich lasse es schwingen. Die Zeit zwischen den Jahren ein Schwingen, eine Reise über die Grenzen der Zeit? Eine schöne Vorstellung und wie zur Bekräftigung schlägt die Glocke von St. Joseph. Ich sitze an meinem Schreibtisch und gerade schaue ich wieder auf meinen Jahreszeitenbaum. Da sitzt sie wieder, meine weiße Taube, und sie schaut mich an. Und ich flüstere ihr zu: „ Guten Morgen, liebe Taube, bist Du vielleicht mein Engel, der mich jeden Tag begleitet“? Ganz deutlich zeichnet sie sich nun gegen das fahle Licht dieses Dezembermorgens ab.  Nur im Winter kann ich sie so deutlich sehen und gleichzeitig ahne ich, dass sie auch im Sommer da. Ist. Ein gutes Gefühl - und mir fällt wieder eine Liedzeile ein, die mich im Sommer gefunden  hatte:  „So why do we close our eyes when we pray, cry, kiss, dream? Maybe the most beautiful things in this life are felt and never seen”- Warum eigentlich  schließen wir die Augen, wenn wir beten, weinen küssen oder träumen. Vielleicht, weil die allerschönsten Dinge im Leben gefühlt und niemals gesehen werden“.

Ich habe von meiner Großmutter, sie verstarb 2002 im hohen Alter von 92 Jahren,  eine alte Armbanduhr geerbt. Vor wenigen Wochen hatte ich sie in der Hand und sie dann voller Erinnerungen um  mein Handgelenk gelegt. Ganz automatisch habe ich die Uhr  aufgezogen, so wie früher, als es noch keine Quarzuhren bzw. mit Batterie betriebene Uhren gab. Ich habe gar nicht groß nachgedacht, hielt sie mir ans Ohr und sie tickte. Nach so langer Zeit. Sie machte da weiter, wo sie damals stehen geblieben ist. Und das gleichmäßige Ticken der Uhr hat mich zu Tränen gerührt. Ich habe sie seitdem fast jeden Tag getragen. Ich fühle mich heute, im Jetzt,  verbunden  mit dem Gestern und Morgen. Das macht es so besonders. Wieviel Lebensminuten mag diese Uhr getickt haben? Ich weiß es nicht genau. Vielleicht 60 oder 70 Jahre? Lebensminuten und ich denke an einen kostbaren Augenblick, den mir mein  damals 11-jähriger Sohn 2009 zum Geburtstag  geschenkt hat  - eine sehr persönliche Rechnung mit  einer Zeichnung. Darauf  hat er mir ausgerechnet, wieviel Minuten er mich schon kennt und mich lieb hat. In der Tat gehört dieser kleine Bogen Papier mit der krakeligen Schrift zu  den schönsten Geburtstagsgeschenken, die ich je bekommen habe. Er hat mir ausgerechnet, dass jede Lebensminute von Geburt an, eine schöne Zeit mit mir, seiner Mama, gewesen sei. Was kann es Schöneres geben? Lebensminuten der Liebe, die ja auch immer wieder Lebensminuten der Versöhnung, des Vergebens, des Missverständnisses, des Teilens, des Lachens des Wiedergutmachens, z.B. nach einem Streit,  sind. Ich habe die Rechnung gut aufgehoben, in meiner kleiner Schatzkiste, in die Mütter bzw. Eltern die kleinen Liebesbriefe, Dankbriefchen, Lebensrechnungen, Bilder, Mama -und Papatagsgeschichten, hoch und heilige Versprechen, Aufräumgutscheine so aufheben. Wann immer ich sie mir anschaue, darf ich  Danke sagen für diese mir geschenkten Lebensminuten. In dieser letzten Woche des Jahres ist es genau dieser der Begriff der Lebensminuten, der in mir wirkt. Vielleicht auch, weil mir ein lieber Freund aus

 

Berlin ein Buchtipp mit dem Titel : Die Uhr der Versöhnung, Lebensminuten aus einem geteiltem Land von Michael Dülge gesendet hat. Es ist ein sehr bewegendes Buch, herausgegeben von der evangelischen Kirchengemeinde Versöhnung in Berlin-Wedding, über Lebensminuten von Menschen, die unter dem Motto - Gönn dir eine Minute -, „der wichtigsten Minute ihres Lebens einen Ort auf der Uhr der Versöhnung gegeben haben“, Geschichten im geteilten Berlin und im geteilten Deutschland“. Sie erzählen von „Flucht, vom trotzigen Bleiben aus christlicher Verantwortung – von  Beheimatung und Entfremdung, der großen Liebe oder von der Trauer, einen geliebten Menschen gehen zu lassen“- Es sind persönliche Schicksalsmomente, die ganz unverhofft  im Rahmen der Spendenaktion für die Sanierung der Turmuhr der Versöhnungsgemeinde an die Oberfläche und befreiend schön zur Sprache kamen, erzählt und  getragen, so kommt es mir vor,  auf  den Flügeln der Freiheit.

Dieses  Jahr 2020 hat 525.600 Minuten, das sind  8760 Stunden  - eine unvorstellbar lange Zeit -  meinen wir. Bezogen auf die Einwohner einer Stadt, wie Nürnberg oder  Hannover wäre das so, als hätte jeder Einwohner eine Lebensminute zur Verfügung, mit der er das Jahr 2020 beschreiben könnte. Eine spannende Vorstellung. Was wäre meine Lebensminute 2020, meine Minutengeschichte, mein Zeichen der Zeit, mein Augenblick- mein Kairos des Jahres 2020? Für mich ist der Augenblick des Jahres 2020 der Moment, in welchem mein Vater sich von mir, meinen Schwestern, meiner Mutter verabschiedet hat. Aufgrund der Pandemielage des ersten Lockdowns durfte leider nur ich als Seelsorgerin in das Krankenhaus. Und er hat mir etwas sehr Kostbares für meine Schwestern und meine Mutter anvertraut und mitgegeben. Seine Liebe - das Versprechen auf seine Bitte hin, dass ich ihm geben sollte, dass wir gut auf uns aufpassen sollen. Und das nehme ich weiter mit in dieses und in jedes neue  Jahr, mein Versprechen, seine Liebe. Denn sie wird immer bleiben und auf uns aufpassen. Es gäbe viele Lebensminuten zu beschreiben, meine Radtouren, die Nachtstille, das Wirken und Wirken lassen, der Jazz im Garten, die Sommerseele, unser Mohnblumenfeld, die weiße Taube auf meinem Jahreszeitenbaum, der lebendig machende Glockenschlag, meine Gespräche mit Gott, das Ausprobieren neuer Ideen, das Schreiben meiner Impulse, meine Familie, das gemeinsame Lachen, Trauern und Lieben,  den Begegnungen mit Ihnen und Euch  und ist es nicht auch schön, sich dieser Fülle der Lebensminuten zu öffnen? Es darf sein, auch mit der Lebenswirklichkeit einer weltumfassenden Pandemie, die uns manchmal den Atem zu nehmen droht und dennoch auch so viel Neues und  Kreatives in uns aufgedeckt hat. Leben, das hat ganz viel mit lieben zu tun. Jede einzelne Sekunde dieses Jahres, alle 31.536000 Sekunden sind uns geschenkt mit Leben, mit Liebe gefüllt - auch dann, wenn wir sie oft nicht sehen und spüren können. Ich gehe mit dem Gedanken der heilenden Hoffnung in das neue Jahr. An Weihnachten ist uns in Jesus Christus die heilende Hoffnung geschenkt. Heilen heißt, es muss wirken und gewirkt werden um zu bewirken. Und das macht mich hoffnungsfroh. Denn, wenn etwas wirkt ist es nicht statisch, sondern bewegt, bleibt lebendig und ich darf mit   Psalm 31 sagen:

Ich aber, ich habe auf dich vertraut, Herr; ich sagte:

Du bist mein Gott! In deiner Hand sind meine Zeiten.
Psalm 31, 14.15

Seien Sie behütet in allem, was ist.

Ihre und Eure 

Ute Trimpert, Gemeindereferentin

Für das Pastoral -und Seelsorgeteam des Sendungsraumes Alfter-Bornheim

 

 

Alles hat seine Zeit

(Koh 3, 1-12)

Untrennbar mit dir verbunden

Wer bist Du, dass Du mein alles kennst

Mein Licht

Meine Dunkelheit

Mein Geschehn

Unter dem Himmel

Du Anfang und Ende

Schwingung zwischen Alpha und Omega

 

Zeit des Lebens

Zeit des Sterbens

Schaue mich an

Zeit des Lachens

Zeit der Klage

Berühre mich

Zeit des Weinens

Zeit der Angst

Tröste mich

Zeit des Liebens 

Zeit des Heilens

Umarme mich

Zeit des Tanzes

Zeit des Wachsens 

Bewege mich

Zeit der Stille 

Zeit der Einsamkeit

 

Leite mich

Ich suche Dich, 

Ich brauche Dich 

wirst Du mich auch finden?

 

Alles hat seine Zeit

 

Gott hat Dir seine Ewigkeit ins Herz gelegt

Ihr fallt in eins

In die   Liebe

Hör auf dein Herz

Du kannst es spüren

Weite deinen Blick 

für den schimmernden Glanz  

für das leise Lächeln 

im Antlitz deines Gegenübers

Sein Alles ist dein Alles

Es besteht für ewig

Was geschehen,

was sein wird 

ist schon längst gewesen

und 

Was vergangen 

Holt er wieder 

und wieder 

hervor

Sein Alles schenkt er Dir - für immer

 

(Ute Trimpert)

 

Eine gesegnete Weihnachtszeit

mit den besten Wünschen

für ein hoffnungsfrohes Jahr 2021

 

Take care und passen Sie gut auf sich auf.

 

Fotos: privat (Ute Trimpert)