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20.01.2021 Wochenimpuls

HIER. Bei DIR Wochenimpuls der Hoffnung des Sendungsraumes Alfter Bornheim (PG Alfter, Bornheim An Rhein und Vorgebirge und SB Bornheim-Vorgebirge)

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Freusternchen

Liebe Leserinnen und Leser,

ging es Ihnen letzten Sonntag so wie mir?  Ich bin aufgewacht mit einem Kinderlachen im Ohr. Und als ich das Fenster hinausschaute, da musste ich ebenso lachen. Ich spürte eine Freude in mir aufsteigen. Wie schön ist das denn! Es schneite, in diesem Winter eigentlich das erste Mal bei uns im Vorgebirge. Den Schneeflocken, den Schneesternchen, wie ich sie nenne, kann ich stundenlang zuschauen, wenn sie sanft schwebend niederfallen. Das habe ich schon als Kind gerne gemacht, den Schneeflocken nachgeschaut. Es ist ein Spiel. Ich suche mir mein Sternchen und das verfolge ich so lange, wie ich kann. Und dabei schweben meine Gedanken, ebenso leise, einfach nur mit. Zugegeben, ich spiele es immer noch-auch an jenem Morgen- ein vertrautes Gefühl, so ganz bei mir zu sein. Solche Augenblicke sind es, die ich so gerne weiter festhalten möchte. Und die Entscheidung stand dann schnell fest, noch vor dem Frühstück zu einem Guten Morgen-Schneespaziergang Richtung Ville aufzubrechen. Die Schneeflocken spüren, Fußspuren im Schnee, die erfrischende Luft, Schneekristalle bezaubernd schön auf den Bäumen, stehengebliebene Blütendolden, kreativ neu verziert zu einer Schneeblüte-ein Kunstwerk der Natur. Oder öffnet sich einfach mal ein anderer Blickwinkel, wenn Veränderung geschieht?  Wir laufen in Kardorf Richtung Katzentränke, dort auf dem Feldweg leicht bergan, den kalten Wind, vermischt mit Schneeflocken im Gesicht. Er pustet mich durch. Einfach herrlich. Und ich glaube, es ging vielen so, die mir in dieser Stunde begegneten. Alt und Jung auf den Beinen. Familien mit Schlitten schon früh unterwegs.  Ein kleiner

 

Junge rollte freudig angestrengt einen kleinen Schneeball, um einen Schneemann zu bauen. Überall lachende und fröhliche Gesichter, eine Schneeallschlacht war auch schon im Gange. Ein kleines Mädchen, vielleicht drei Jahre alt lachte den ganzen Weg laut. Sie rannte hinter ihrem Opa her und rief immer wieder: „Ich bewerf Dich“ und lachte schallend. Sie hörte gar nicht mehr auf. Und ihr Lachen war so ansteckend, es wärmt mich jetzt noch. Uns alle, dies hat man deutlich gespürt, hat die Freude verbunden an diesem Morgen. Wenn man den Weg weiter geht, kommt man an einer Pferdekoppel vorbei. Zwei wunderschöne Ponys waren Teil unseres unsichtbaren Bandes der Freude, als sie begannen auf der mit Eisgräsern umrahmten Koppel im Schnee zu galoppieren, sich aufzubäumen- ein besonderer Moment der Einheit zwischen Menschen, Tier und Flora. Unser Morgenspaziergang war gefüllt mit Momenten der Freude und sie führten sich fort. Gepostete Bilder auf Instagram und Facebook, E-Mails-überall Freude zu spüren mit dem Versuch sie in Worte zu kleiden und in Bildern einzufangen. Ein besonderer Morgen. Wenn Sie mich fragen, was für mich das magisch Besondere oder Andere war, würden Sie vermutlich denken-der Schnee. Ja-das ist nicht falsch, aber es trifft es auch nicht ganz.  Das ganz Eigene war, dass sich etwas bewegte, mich berührte, etwas in Gang gesetzt hat. Ich habe mich mal wieder richtig gespürt. Und das war so wunderbar befreiend – ja fast erlösend – gerade in diesen Tagen der Corona-Pandemie. Das trifft es genau. Etwas bewegt mich, stupst mich sanft an-eine Schneeflocke-ein Schneesternchen, das zum Freusternchen wird - eine neue Wortschöpfung in diesen Tagen. Der Schnee an diesem Sonntag hielt nicht den ganzen Tag, aber das macht auch nichts. Hat er doch wieder eine Tür in mir geöffnet – die Tür zu meinem Segen. Und dafür bin ich dankbar. Segen in mir? Was meine ich damit? Sie kennen mich schon ein

 

wenig. Die Gedichte des großartigen Lyrikers Rainer Maria Rilkes (1875-1926) lese ich sehr gerne. Manchmal denke ich, Rilke hat sie für mich geschrieben, weil er wusste, dass sie auf mich treffen werden. Ich nehme sie wieder mit in den Tag. Von ihm ist ein Satz überliefert, den ich sozusagen innerlich verkoste, weil er mir etwas klar macht: "Das musst du wissen, dass dich Gott durchweht von Anbeginn..." Ist das nicht ein so belebender und erfrischender Satz?  Gott ist in mir, er hat mir die Ewigkeit ins Herz gelegt (Koh 3,11). Und wenn er mich bewegt, dann ist das etwas Bewegendes, wie der Wind, mal leise, kräftig, aufbrausend, umspielend, säuselnd, zärtlich, sanft, stürmisch und manchmal auch nicht zu spüren. Dann ist es gut zu wissen, er ist dennoch da. Er bewegt mich, er stupst mich an, er ist mein Motor. Ich darf mich spüren. Sie dürfen sich spüren. Wir dürfen uns spüren, umgeben von Gottes liebenden Atemwind, der auch unserer ist. Das lässt mich dankbar werden, auch wenn es manchmal schwerfällt, die Umstände des Lebens einfach nicht passen wollen, dann hilft es mir doch zu wissen, dass Gottes guter Segen in mir wirkt. Wenn ich den Kindern erkläre, was Segen bedeutet, sage ich immer, Segnen bedeutet nichts anderes als meinem Gegenüber (Familie, Freund/in, Nachbarn, Kollegen etc.)  etwas Gutes zu sagen. (bene dicere = etwas gut sagen). Stupsen Sie ihn an mit ihren Worten, wie ein zartes kleines Freusternchen - mit Worten, die den anderen wärmen, die gut tun. Mit guten Worten  bleiben wir in Bewegung. Sie verbinden uns zu einer unendlich langen Segenskette. An ihr dürfen wir uns festhalten, sie befreit, gibt uns Orientierung, Richtung und Hoffnung - allen Umständen zum Trotz.

 

 

 

Manchmal braucht es ein kleines Freusternchen, um sich wieder zu spüren. Und vergessen Sie nicht:

Gott sagte einmal zu Abraham:  

„Ich will dich segnen und du sollst ein Segen sein.“ (Gen 12,2)

Und Rilke erinnert uns daran, wenn er schreibt:

"Das musst du wissen, dass dich Gott durchweht von Anbeginn..."

Werden Sie ein Freusternchen . ein Segen!!

 

Seien Sie behütet in allem, was ist.

Herzlichst

Ihre und Eure Ute Trimpert

 

Für das Pastoral- und Seelsorgeteam des Sendungsraumes Alfter-Bornheim

 

 

Fotos: Schneekristall (pixabay) und Ute Trimpert (privat)