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03.02.2021 Wochenimpuls

HIER. Bei DIR Wochenimpuls der Hoffnung des Sendungsraumes Alfter Bornheim (PG Alfter, Bornheim An Rhein und Vorgebirge und SB Bornheim-Vorgebirge)

Wochenimpuls zum Download

Fotos D. Gockel und U. Trimpert (privat)

 

Kopfhörer – Herzhörer

Manchmal erlebe ich einen kleinen Augenblick, so klein er auch sein mag, höre ein Wort oder es entspinnt sich eine ganz eigene Situation und dann fliegt es in meine Gedanken, macht sich fest, ankert mich sozusagen und dann ist es da, das kleine Wort, der Aufhänger zu meinem Wochenimpuls. Es kommt ganz intuitiv. Wie kann ich das erklären? Ich höre und warte einfach. Ich kann gar nicht wirklich sagen, wie es funktioniert. Ist das einfach? Ich weiß es nicht. Es ist wie ein Herzleuchten. Ich vertraue darauf, dass ein Gedanke, etwas, das mein Herz berührt, mich findet und zu wirken beginnt. Manchmal ist es nicht mehr als eine Ahnung, ein sachtes Herzglimmen, ein kurzes Aufleuchten bis es von Tag zu Tag heller wird und ich das herausfordernde Flackern schließlich deutlich vor mir sehen kann. Vor wenigen Tagen war es dann wieder so weit. Ich sitze am Computer, die letzte Videokonferenz gerade wenige Minuten beendet. Noch habe ich die Kopfhörer im Ohr, weil ich dann meine Hände frei habe für meine Notizen, Telefonate etc. Ich bekomme eine Textnachricht mit der Frage eines lieben Freundes, wie es mir ginge und ich schicke ihm spontan ein Foto von mir, am Schreibtisch, am Computer mit den obligatorischen Kopfhörern. Und da war es, das Wort der Woche:  Kopfhörer. Ich bin eigentlich erst hinterher darauf gekommen, nachdem ich das Foto mit dem entsprechenden Kommentar verschickt hatte, dass ich Kopfhörer aufgrund der vermehrten Videokonferenzen eigentlich erst seit dem Lockdown trage. Der erste Lockdown sozusagen als terminus postquem, also der Zeitpunkt, zu dem das Foto frühestens aufgenommen wurde, am 20. März 2020. Dass es nur noch wenige Wochen sind, bis sich der Tag jährt, lässt mich erschrecken, motiviert mich jedoch gleichzeitig mit Ihnen diesen Wochengedanken zu teilen. Da ist das Substantiv Kopfhörer, zusammengesetzt aus dem Verb, mit dem Kopf hören.  Ich google den Begriff.

 

Schnell ploppen gefühlt hunderte von Werbeanzeigen auf. Ich lese von kabellosen Kopfhörern, der Stimme für das offene Ohr, ferner die Adjektive stabil, bequem oder die Slogans, die für   neue Klangergebnisse und für alle Lebenslagen bei einfacher Bedienung werben.  Wenn es Kopfhörer gibt, gibt es dann auch Herzhörer, frage ich mich? Und wie sähen die Vorzüge des auf das Herz Hörens aus?  Spontan schreibe ich ebenso kabellos, für alle Lebenslagen, den Seelenklang des eigenen Selbst erfahren und das Erleben neuer Klangergebnisse. Es gibt Menschen, die auf ihren Verstand hören und Menschen, die auf ihr Herz hören. Es scheint nichts dazwischen zugeben, sondern nur ein entweder oder.  Nicht selten hört man seitens der Kopfhörer, wer auf sein Herz höre, sei doch verrückt. Man könne sich dies   doch gar nicht leisten. Mit dem Herzen hören, damit verbinde ich zunächst Herztöne hören, die eigenen oder die lang ersehnten Herztöne eines ungeborenen Babys sowie unsere eigenen Liebesgeschichten im Leben.  Nicht zu beschreiben und für jeden anders, aber unzweifelhaft mit einen tiefschönen Herzgefühl, einem Wunder oder der sinnhaften Explosion einer Sensation vergleichbar, die von uns Besitz nimmt. Ich erinnere mich an eine Begegnung eines jungen Priesters mit einer hochbetagten Ordensschwester in einem Kloster in der Nähe von Königswinter. Der junge Mann, ebenso wie ich auf Werkwoche in der pastoralen Ausbildung, sprach die Ordensfrau beim Abendessen mit verzweifeltem Gesichtsausdruck an: „Schwester, bitte helfen sie mir, was soll ich tun? Ich muss mich zwischen zwei Dingen entscheiden.“ Wir versuchten ihm zu signalisieren, dass die Ordensfrau doch in Schweigeexerzitien sei. Diese Schwester mit den gütigen Augen hat sich bei mir bis heute eingebrannt. Genau so stelle ich mir die Heilige Walburga vor, von der überliefert wird, sie sei eine Frau mit freundlichen und gütigen Augen gewesen. Sie schaute auf, lächelte den jungen Priester an und sagte ganz sanft: „Hör auf dein Herz.“ Sie hat sich in diesem Moment, trotz ihrer Schweigeexerzitien, entschieden diesen so wegweisenden Satz zu sagen. Heute weiß ich, dass sie diesen Satz auch für mich gesagt hat. Er begleitet mich seitdem. Ich spürte und war gleichzeitig erleichtert, dass ich endlich eine Ausdrucksform entdeckt hatte zu beschreiben, was ich bereits ganz intuitiv wusste, dass ich eine Herzhörerin bin. Und ich schenke diesen Herzenssatz oft und gerne weiter. Spüren wir in uns nicht auch oft die Sehnsucht auf das Herz zu hören, wenn wir Schmetterlinge verspüren, intuitiv agieren oder einfach genau wissen, was zu tun ist, ohne groß darüber nachzudenken? Und gleichzeitig erfahren wir dann, dass uns der Kopf einen Strich durch die Rechnung macht Der uns innewohnende Wunsch nach einem hörenden Herz begegnet uns schon bei König Salomon im Alten Testament, wenn er Gott um ein hörendes Herz bittet (1 Kön 3,9). Und, dass er es hatte, ahnen wir, wenn wir von der sprichwörtlich gewordenen Weisheit eines König Salomons sprechen, das Unwesentliche von dem Wesentlichen zu unterscheiden. Ich spüre, da könnte die Antwort auf die bisher mitgeschwungene Frage nach dem Weg zu einem hörenden Herz liegen. Wir sind heute tagtäglich mit einer enormen Geräuschkulisse belastet. Manchmal können wir nicht mehr unterscheiden, was wirklich wesentlich ist. Uns summt und brummt der Kopf, die Konzentration lässt nach. Es ist wie ein Sehnen, eine Ahnung, da ist doch noch etwas anderes. Ich gebe diesem Ahnen einem Raum, versuche still zu werden, dieser Stimme ganz bewusst nachzuspüren. Es ist wie eine Ermutigung aus meinem Inneren und hat mit Wiederentdeckung der Stille zu tun, auf sich selbst zu hören, nicht hilflos äußeren Einflüssen ausgeliefert zu sein. Das Herz zu spüren, macht meinen Kopf frei. Lähmende, bewertende Gedanken haben ein Ende. Mit dem Wechsel vom Kopf ins Herz darf ich mich fallen lassen. Es öffnet die Tür zu meinen Herzensangelegenheiten und verbindet mich auf dem Herzweg zu mir selbst, zu dem, was mir ins Herz gelegt wurde, meine Seele. Ist sie doch ewiger Lebensatem Gottes, Quelle und Ursprung allen Seins. In meinem Sehnen fühle mich Gott dann ganz nah, kann ihn spüren. Aber, das heißt nicht, dass immer alles rosarot ist. Nein! Aber mir wird die Freiheit geschenkt, meinen eigenen individuellen Wegs zu gehen, ich selbst zu sein, auf die eigenen Fähigkeiten und Energien jenseits von Angst, Unzufriedenheit, Zeitdruck zu vertrauen. Wann immer ich auf mein Herz höre, spüre ich die Nähe Gottes, ich nenne sie unser Herzleuchten, unser Herzensband, mein roter Faden des Lebens. Der rote Faden ist mehr als nur ein Begriff, die drei kleinen Worte wirken für sich selbst, immer anders. Wir können ihn spüren ohne ihn zu sehen, ihn je ganz zu begreifen, ihm folgen und begegnen – manchmal auch hören – ganz unverhofft. Was für ein Geschenk für Liebendes, Schweres, Tröstendes, Zärtliches, Gutes, Verbindendes, Vertrauendes, Seufzendes, Suchendes. Ein Segen des Lebens! Gottes Segen spüren, Gottes Segen sein, das Wissen, dass meine Seele von ihm so gewollt ist, verbindet mich mit Ihnen und ihrem Herzband des Lebens - für immer. Und ich möchte mehr wissen über diesen ewigen Herzensfaden, Segensfaden, Liebesfaden. Es beginnt in der Krippe. Gott, der die Liebe ist, macht sich klein für uns, wechselt die Perspektive und legt sich von dort gleichsam einer Nabelschnur als Liebesfaden um die Welt. Und wir können ihn spüren. Haben Sie Mut auf Ihr Herz zu hören, Ja zu sagen zu Ihrem tiefen Sehnen um Freiheit, Hoffnung, nach Glück, nach Liebe, Heilung und Zukunft. Und mein vermeintliches Wort der Woche verwandelt sich in Herzhörer. Werden Sie Herzhörer und Herzhörerin. Es lohnt sich!

 

Seien Sie behütet in allem, was ist.

Ihre und Eure Ute Trimpert, Gemeindereferentin

Für das Pastoral- und Seelsorgeteam Bornheim-Vorgebirge