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10.02.2021 Wochenimpuls

HIER. Bei DIR Wochenimpuls der Hoffnung des Sendungsraumes Alfter Bornheim (PG Alfter, Bornheim An Rhein und Vorgebirge und SB Bornheim-Vorgebirge)

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 (Foto: pixabay)

 „Eine haarige Angelegenheit…“

Ein Blick in den Spiegel verrät mir: Ich muss zum Friseur. Die Haare wachsen unkontrolliert, stehen manchmal in alle Richtungen – nicht nur morgens - und der Ausdruck „sich die Haare raufen“ gewinnt an neuer, dauerhafter Aktualität. Und damit stehe ich nicht alleine da: Wenn ich mich umsehe, reichen die Haarvarianten anderer Menschen von wilden, ungebändigten Mähnen bis zu forschen Selbsthaarschnitten mit zahlreichen Kanten und Löchern. 

Ich bin es nicht unbedingt gewöhnt, stundenlang über Haare nachzudenken. Jetzt ist aber ein guter Moment, es zu tun. Und eine Erkenntnis steht gleich am Anfang: Haare haben unterschiedliche Bedeutungen in verschiedenen Kulturkreisen und zu unterschiedlichen Zeiten. Es gibt nicht umsonst Kulturgeschichten namens „Geschichte der Haare“.

Auf der Suche nach biblischen Erzählungen zum Thema blieb ich bei Simson aus dem Buch Richter im AT hängen, dessen Haare ein Zeichen von Kraft und Stärke waren. Erst als es abgeschnitten wurde, schwand seine Kraft und er konnte bezwungen werden.

Der Gedanke, dass die eigene Stärke mit den Haaren wächst, ist in unseren Zeiten wahrlich verlockend. Die Vorstellung, dass magische Dinge uns Kraft verleihen können, wenn wir sie nur berührten oder besäßen, ist attraktiv. Denn schon als Kinder haben wir so gerne an diese magischen Momente geglaubt, wenn wir in Märchen und Zaubergeschichten eingetaucht sind. Gerade in diesen Zeiten wünschten wir uns diesen Zauber, die Haare des Simson, die Kraft und Stärke verleihen – nicht nur körperliche, sondern auch innere – und die uns unbezwingbar machen.

Leider verrät ein Blick in den Spiegel nicht gerade den Eindruck von Kraft und Mut: das leicht verwirrende  Aussehen, die ernüchternde Realität ist eher eine haarige Angelegenheit. Denn ich sehe keine Haare, die mir  Stärke und Kraft verleihen, um in der Flut von Nachrichten und Bildern nicht unterzugehen. Dauerhafte Nachrichten, die von Krankheit und Tod, Sorge und Angst, Unsicherheit und Trauer, Müdigkeit und Resignation, Wut und Angespanntheit, Verzweiflung und Ratlosigkeit berichten. Meine Haare sind es nicht, aber die Frage bleibt: Woher kommen die Stärke und Kraft, die Hoffnung und Zuversicht, der positive Blick, die Motivation und Ausdauer, die Gelassenheit und Geduld? 

Meine Augen bleiben an einem Foto meiner Familie hängen, die mir entgegenlacht, an einem Buch mit dem Titel „Schlafes Bruder“, das mir vor Jahren eine Freundin geschenkt hat. Ich spüre die Wärme der selbstgestrickten Socken meiner Mutter und je mehr ich suche, desto mehr entdecke ich viele kleine Dinge, die für mich besonders sind, weil sie von Menschen und besonderen Begegnungen erzählen, deren Erinnerung mich schmunzeln und lächeln lassen und mein Herz erwärmen. Keine Magie in den Dingen selbst, aber in den Beziehungen zu Menschen, Erinnerungen an Gemeinsames, die mir Kraft geben. Und nicht zuletzt stoße ich immer wieder auf biblische Worte, Worte der Zusage und des Versprechens von Gottes Nähe. Worte und Erfahrungen, die mir wertvoller Anker sind.

„Er gibt dem Müden Kraft, dem Kraftlosen verleiht er große Stärke (Jes 40, 29)“. Solche jahrtausendealten Worte, die wahrscheinlich im Leben vieler Menschen ihre Resonanz entfaltet haben, sind eine Kraftquelle, die nicht einfach verschwindet wie abgeschnittenes Haar, das hoffentlich bald wieder zusammengekehrt wird und im Mülleimer landet.

So denn – der nächste Friseurtermin kann und muss kommen …lieber morgen als übermorgen.

 

Für das Pastoralteam der Seelsorgebereiche Alfter, Bornheim-Vorgebirge und Bornheim - An Rhein und Vorgebirge

Ihre Bernadette Molzberger, Pastoralreferentin


Weitere Informationen finden Sie unter www.kath-kirchen-bornheim.de, www.baruv.de  und www.pfarreiengemeinschaft-alfter.de