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31.03.2021 Wochenimpuls

HIER. Bei DIR Wochenimpuls der Hoffnung des Sendungsraumes Alfter Bornheim (PG Alfter, Bornheim An Rhein und Vorgebirge und SB Bornheim-Vorgebirge)

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Fotos: Trimpert

Du guckst mich an                                                                                        Heilige Woche 27.03.2021
Und ich geh mit
Und der ist ewig
Dieser Augenblick

(Nena)

Lieber Jesus,  

Die Heilige Woche hat begonnen – Ich möchte so gerne bei Dir sein, auf Deinem letzten Weg, ihn gemeinsam mit dir gehen. Ist es nicht genau das, was ich jetzt gerade jetzt für Dich tun kann, bei Dir zu sein? Der Gedanke trägt und stärkt mich und gleichzeitig weiß ich nicht, ob ich es überhaupt vermag.  Ich darf Dich stützen, wie Du mich stützt. Wir stützen einander. Raum und Zeit sind aufgehoben. 2000 Jahre nur eine Zahl. Damals ist heute und heute ist damals. Ich gehe mit Dir durch das Tor nach Jerusalem. Ich weiß, es ist Dein Tor der Entscheidung. Doch Du wagst diesen Schritt und ich gehe mit, so, wie Du immer auch meine Lebensentscheidungen mitgetragen hast. Wenn ich Entscheidungen treffe, braucht es den ersten Schritt. Und der ist wirklich nicht einfach. Ich lasse dann Vertrautes und Liebgewonnenes zurück und brauche ganz viel Mut diesen ersten richtungsweisenden Schritt zu wagen. Du lässt dein bisheriges Leben hinter Dir und gleichzeitig verspürst Du die Schatten der dunkelschwarzen Wolken, die das drohende Unheil vorauswerfen. Heute liegt eine besondere Stille über den Morgen oder glaube ich das nur?  Heilige Woche, die Feiern des letzten Abendmahls, Deines Leidens, Tods und der Auferstehung, eine heilende Woche? Ein dritter Lockdown, die Sorgen und Angst der Menschen vor einem weiteren Megalockdown, die sich breit machende Hilflosigkeit angesichts der Pandemie, wie kann ich das erklären, wie passt das alles zusammen? Auch ich verspüre zunehmend Sorge, Angst um meine Angehörigen, meine Kinder und allen Menschen, für die ich Ansprechpartnerin, Kollegin, Nachbarin, Freundin bin. Die dunklen Konturen meines Jahreszeitenbaums heben sich wie ein Scherenschnitt wunderschön von der Morgensonne ab und mein Blick löst sich nur schwer von diesem rosig glänzenden Augenblickgemälde, in dessen Licht sich die zarten Knospen des Frühlings erahnen lassen Etwas Neues bricht an trotz und mit Corona. Und gleichzeitig wirst Du In Jerusalem von Pilatus zum Tode verurteilt. Ich lese es noch einmal nach: Pilatus wandte sich an die Hohepriester und das Volk der Juden und fragte sie. Was soll ich mit Jesus anfangen, den ihr den König der Juden nennt. Da schrien sie Kreuzige ihn. Ich kann es hören über meine Brücke jenseits von Zeit und Raum. Und ich frage mich, hätte ich nicht mit ihnen geschrien? Der Gedanke trifft mich, weil immer wieder Lebenspläne grausam durchkreuzt werden. Der Chor „Kreuzige ihn“ ist zu laut, die Stimmen der Schwächeren und Notleidenden müssen zwangsläufig verhallen. Ist das gerecht? Dort in Jerusalem bin ich bei Dir und Du bei mir. Jesus, ich sehe das schwere Kreuz auf Deinen Schultern, Zeichen Deines nahen Todes. Kraftlos sinkst Du zu Boden, liegst im Staub der Erde. Ich kann Dich nicht mehr sehen, nicht mehr hören. Ich kann nichts tun, außer bei Dir zu sein.  Schwere Lasten zu tragen, das eigene Kreuz zu ertragen, das kommt mir so bekannt vor, wenn die Sorgen mich in den Staub der Erde niederdrücken, mein Gebet zur Sprachlosigkeit wird, weil mir die Kraft fehlt zu Dir zu sprechen. Aus meinen Lebenserfahrungen, durfte ich von und mit Dir aber lernen, aufzubrechen, Mut zu schöpfen, so klein er auch sein mag - ein kleines Wort, ein Flüstern, um mich dann gleichsam einer Blume langsam und vertrauensvoll wieder aufzurichten. Die Begegnung mit Deiner Mutter ist für mich immer wieder ein berührender Moment. Blick in Blick mit Maria. Eine Gänsehautszene! Ganz viele Szenen aus meinen Leben habe ich dann ganz plötzlich vor Augen. Ich denke an meine Mutter und ich denke als Mutter an meine Kinder. Die Mama, nach der man in tiefer Not noch als Erwachsener ruft, nach einem Menschen, der Liebe und Geborgenheit schenkt, bei dem ich zu Hause bin, so sein darf, wie ich bin, der mich tröstet, wenn ich traurig bin, mich in den Arm nimmt, mich liebt, das Leben mit mir teilt. Es ist schwer auszuhalten, wenn die eigenen Kinder oder Menschen, die man liebt, leiden, sei es aufgrund schwerer Erkrankung, Existenzängsten oder seelischer Not. Marias Worte, sie verhallen nicht:  Jesus mein Kind-sei gewiss - ich bin immer da für Dich. Es sind liebende Worte. Ich habe sie selbst schon ganz oft zu meinen Kindern gesagt. Egal, was passiert, ich bin immer für Euch da. Deine Mutter zeigt mir, wie wichtig es ist, diese Worte auch auszusprechen. Dein letzter Weg wird für mich zu einer Reise in mein eigenes Leben. Dafür danke ich Dir sehr. Ich glaube die Szene mit Simon von Cyrene nun besser verstehen zu können, den sie zwingen mussten, ja vom Feld holten, um Dein Kreuz nachzutragen. Geht es denn nicht darum aufmerksam zu sein, zu spüren, wo ich gebraucht werde, an welchem Ort ich das Kreuz meines Nächsten wenigstens ein kleines Stück mittragen kann, meine Augen vor der Not der anderen nicht zu verschließen? Und ist es nicht doch noch mehr, nämlich die Bereitschaft das eigene Herz aufzuschließen? Und bleibt das Herz nicht ganz oft verschlossen und hart, wenn ich die Worte ausspreche: „Das geht mich nichts an, nicht mein Problem oder selbst schuld?“ Und begegnen wir im Tragen der Last nicht auch Dir, der Du unsere Last trägst? So viele Fragen!! Mir geht die Szene mit Veronika nicht aus dem Kopf. Ich versuche mir es vorzustellen. Mein erster Gedanke, nicht Du berührst sie, sondern sie Dich und gleichzeitig berührt ihr Euch einander. Besser vermag ich es nicht auszudrücken. Ein heilender und leuchtender Berührungspunkt voller Hoffnung inmitten einer grausamen Szenerie. Veronika hat Dir ihr Herz geschenkt. So verstehe ich das. Sie zeigt, was Liebe auch in einer schier unausweichlichen Situation vermag. Liebe trägt, lindert, umarmt, sie geht mit. Wem reiche ich in der Not ein Zeichen der Liebe, das auch Dein Zeichen ist? Muss ich mich in meinem Handeln nicht oft auch kritisch hinterfragen? Es ist wirklich ein Brief der Fragen. Ein Tuch steht doch für Wärme, Schutz, Geborgenheit. Mit Tüchern kann ich Wunden und Verletzungen verbinden, Tränen, Schmutz und Schweiß abwischen. Veronika reicht Dir ihr Tuch, weil Du es bist, der die Last trägt und die Tränen der Menschheit trocknen lässt. Es ist ihre liebende Geste. Ich werde nachdenklich, welche aber ist meine? Lieber Jesus, Du fällst das zweite Mal unter dem Kreuz und doch richtest Du dich wieder auf- für uns. Lass mich bitte nicht taub werden für die Schreie derer, die unter der Last zusammenbrechen und um Hilfe, Solidarität schreien. Oder bin ich das nicht schon längst? Ein Blick in die Zeitung, Nachrichten aus aller Welt, aus dem eigenen Land. Was kann ich tun? Oder gebe ich resignierend auf. Ich denke an Madeleine Delbrel, man nennt sie auch Mystikerin der Straße, eine der wenigen Frauen auf dem zweiten vatikanischen Konzil. Ihr Vermächtnis: Ein kurzes Wort mit Ausrufezeichen. Handle einfach. Tu es einfach! Es gelingt mir nicht immer, aber man kann es einüben und es bleibt lebenslange Herausforderung. Ich bin bei Dir, wenn Du fällst und Du bist bei mir. Du trägst so schwere Last und dennoch sprichst mit den weinenden Frauen, teilst ihren Schmerz mit ihnen. Jetzt könnte ich weinen, denn Du kennst mich. Aber es sind meine Tränen der Hoffnung. Ich muss Dich weitergehen lassen. Du fällst das dritte Mal. Dein Tod ist nahe und wieder  richtest Du Dich auf. Du zeigst mir, dass es sich immer wieder lohnt aufzustehen. Wie gerne würde man manchmal liegenbleiben. Man hat Dir Deine Kleider genommen, der Versuch Dir Deine Würde zu nehmen. Doch deine königliche Würde ist auch unsere und sie bleibt, sie ist unantastbar. Du stehst da für uns, für alle die zur Schau gestellt und entblößt werden. Und ich bin bei Dir und Du bei mir.  Jesus, mit Fortschreiten des Briefes wird meine Sprachlosigkeit immer größer. Du wirst ans Kreuz genagelt Mein Kreuz, das Angenagelt sein an meinen Lebenslauf ist auch Dein Kreuz, angenagelt durch die Kraft Deiner Liebe bin ich  bei Dir und Du bei mir. Du  trägst meine Sorgen und Lebenslasten durch Abschied und Sterben hindurch und versprichst mir ein Leben in Fülle (John 10,10). Und ich spüre ich Erleichterung und gleichzeitig ein bewegend sehnsüchtiges Hoffen. Ich nenne es Auferstehungsmoment, weil ich mich getragen weiß in deiner Liebe. Und dafür möchte ich Dir danken, du bist auferstanden, wahrhaftig auferstanden, lese ich im Lukasevangelium. Das haben die Jünger bezeugt, daran glaube ich. Und wir können sie doch auch spüren, Ich danke Dir diese kleinen Momente der Auferstehung, jeden Tag, wenn wir Kraft, Atem, Hoffnung und Vertrauen schöpfen dürfen, sei es in den kleinen und großen Wundern und Tänzen der Natur, in einem lieben Wort, einem fröhlichen Winken aus der Ferne, den großartigen Stützen und Hilfen im Alltag, den vielen kleinen Schrittchen, die Großes bewirken und vieles mehr.

Herr bleibe bei uns, denn es will Abend werden, und der Tag hat sich geneiget (Lk 24,29).

Ich bleib bei Dir und Du bei mir, zwei Herzhälften-mein Glaube.

Deine Ute

 

Seien Sie behütet in allem, was ist.

Ihre und Eure Ute Trimpert, Gemeindereferentin

Für das Pastoral - und Seelsorgeteam des Sendungsraumes Bornheim-Alfter