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07.04.2021 Wochenimpuls

HIER. Bei DIR Wochenimpuls der Hoffnung des Sendungsraumes Alfter Bornheim (PG Alfter, Bornheim An Rhein und Vorgebirge und SB Bornheim-Vorgebirge

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Liebe Leserinnen und Leser,

Kennen Sie Emmaus, 60 Stadien von Jerusalem entfernt?

Ich habe den im Lukasevangelium überlieferten Ort Emmaus, 60 Stadien von Jerusalem entfernt, das sind ca. 14 km, einmal in Google Maps und in das Navigationssystem eingegeben – ohne Erfolg. Viele Orte wurden mir angezeigt, Kirchgemeinden, soziale Einrichtungen, immer in Verbindung mit dem Wort Emmaus. Einen Ort bei Jerusalem jedoch nicht. Und doch wird der Ort in der Bibel genannt, namensgebend für die vielen Orte gelebten Glaubens über fast 2000 Jahre hinweg. Woran liegt das?  Für mich ist die Emmausgeschichte (Lk 24,13-35) eine der schönsten und hoffnungsreichsten biblischen Geschichten überhaupt, die mich immer wieder in meinem Leben bestärkt und begleitet hat, gleichsam eines richtungsweisenden und Mut schenkenden roten Fadens.  Die Emmausgeschichte ist eine Ostergeschichte, als Evangeliumstext nur im Lukasevangelium überliefert, hören wir sie traditionell am Ostermontag. Und doch berührt sie in ihrer Tragweite und Bedeutung das Herz unseres Glaubens jeden Tag neu.  In der diesjährigen Firmvorbereitung haben wir uns dem Text durch gemeinsames Bibelteilen genähert, d.h. wir lesen den Text zunächst gemeinsam, in einem zweiten Schritt sind die FirmandInnen eingeladen das Wort, welches sie angesprochen hat, laut auszusprechen, um dann darüber in das gemeinsame Gespräch zu kommen. In diesen Zeiten geschieht dies digital und dennoch ist der Austausch intensiv, persönlich und berührend.  Und dafür bin ich den Jugendlichen sehr dankbar.

Worum geht es in der Emmausgeschichte?

Zwei enttäuschte und verzweifelte Jünger haben nach dem Tod Jesu am Kreuz Jerusalem fluchtartig verlassen. Unterwegs nach Emmaus kommt der Auferstandene unerkannt dazu, heißt es. Er fragt, und es bricht geradezu aus ihnen heraus, können sie doch jetzt über ihre zerstörten Hoffnungen sprechen. Mit Hilfe der Schrift, heißt es weiter, erschließt er ihnen allerdings einen Sinn in all dem Geschehenen, so dass sie sich schließlich fragen: „Musste nicht all das geschehen?“ Ich kann mir das vorstellen. Ein Gespräch, die Sorgen teilen, sich all die Dinge, die einen bewegen von der Seele reden, das tut gut. Menschen zu begegnen, die zuhören können und mit wenigen Worten die selbstgebaute Sackgasse wieder etwas durchgängiger werden lässt. Der andere Blick, die neue Perspektive, die es sich zu wagen lohnt.  Manchmal braucht es nicht viel Worte. Es reicht zu wissen, da ist einer, der mir zuhört, der meine Sorgen für ein Wegstück mit mir teilt. Vielleicht ist es Ihnen auch schon so ergangen, dass sich mit fremden Menschen ein eher zufälliges aber gutes und intensives Gespräch entwickelt hat. Ich denke an meine Begegnungen auf meinen Interrailreisen als junge Frau, ob im Zug, in der Jugendherberge, beim Fragen nach dem Weg, dem Genießen des gleichen Ausblicks oder der Entscheidung den gleichen Weg zu wählen. Auch auf den verschiedenen Wegstrecken meines Lebens, sei es in Schule, Studium, Beruf bin ich vielen Menschen begegnet und es sind lange und tiefe Freundschaften entstanden, die mich geprägt haben, ob in England, Australien oder Deutschland. Sie alle sind fest auf meinen roten Faden aufgefädelt. Und manchmal begegnet man Menschen, kommt mit ihnen Gespräch, die man vorher, salopp gesagt, nicht auf dem Schirm hatte, weil die Zeit noch nicht war. Das sind besondere Geschenke, manchmal viele Jahre später, wie z.B. bei meinem letzten Abiturtreffen im guten Gespräch vertieft, als mein Gegenüber mich angrinste und sagte: „Ute, wir hatten früher nicht wirklich viel miteinander zu tun, oder?  Schade eigentlich!“  Und er hatte Recht, denn an diesem Abend hatten wir beide einen Perspektivwechsel gewagt. Und das tat einfach gut und es macht mutiger, es immer wieder zu tun. Dafür ist man nie zu alt, selbst 34 Jahre nach dem Abitur. Und weiter sagt uns die Schrift kommen die Jünger nach Emmaus, essen gemeinsam mit dem fremden Begleiter und für einen Augenblick gehen ihnen die Augen auf, erkennen sie den auferstandenen Herrn, als er das Brot bricht. Denn, so überliefert es Lukas: Dann sahen sie ihn nicht mehr. Und ich denke: Ja, es gibt solche Augenblicke – für eine Sekunde blitzt etwas auf, eine Gewissheit, aber festhalten kann ich sie leider nicht Und im Licht dieses Moments entdecke ich rückblickend, dass ich auf meinem Weg nicht allein war: manchmal können wir das auch nicht genau in Worte fassen. Es ist eine Ahnung, ein Gefühl. So übersetze ich den Satz der Jünger: „Brannte uns nicht das Herz in der Brust“, als er unterwegs mit uns redete…?“Konnten wir es nicht im Herzen spüren, als er unterwegs mit uns redete? Und wird es uns dann nicht manchmal warm ums Herz? Da kommt Wärme bei mir an. Es ist mehr als Wärme, eigentlich unbeschreiblich, eine spürbare Herzensverbundenheit, von Herz zu Herz, mehr noch - ein Tanz Herz mit Herz! Eine Kehrtwende, turning point. Vergessen ist der point of no return. Sie wagen die Kehrtwende in die Dunkelheit hinein: „Noch in derselben Stunde brachen sie auf und kehrten nach Jerusalem zurück“. Die Jünger, eine solche unbeschreibliche Erfahrung spürend, schöpfen Kraft, Mut, Vertrauen, dorthin zurückzukehren, wo sie hergekommen sind – und dass, obwohl es ja schon dunkle Nacht war. Diese dunkle Nacht, wir kennen sie alle, wenn wir den Weg nicht mehr finden, wie gelähmt sind, das Herz aus dem Takt. Oft erinnern wir uns erst im Nachhinein – angesichts der Fülle von Eindrücken einer Stunde, eines Tages, eines Jahres, eines ganzen Lebens–, wo das eigene Herz gebrannt hat. Vielleicht war es nur ein einziger, winziger Moment, den man Außenstehenden nicht mal schildern kann, wo etwas aufblitzte, eine erleuchtende Erkenntnis, die aber doch ganz wirklich war, weil sie wirken durfte. Und sie gibt Kraft, zurückzugehen dahin, woher man gekommen ist – nicht selten in die Dunkelheit. Etwas hat sich verwandelt. Aus etwas traurig Verbitterten, so hat es ein Firmand eindrucksvoll beschrieben, geschieht etwas Erleuchtendes. Ich nenne das Auferstehung. Es sind Auferstehungsmomente: Es geht einer unsichtbar mit, auch, wenn ich enttäuscht, entmutigt und traurig unterwegs bin. Und die leuchtenden Augenblicke der Erkenntnis, wo mir das Herz brannte, wo für einen winzigen Moment die Welt in einem anderen Licht erschien, sind doch die, auf die es ankommt, denn sie eröffnen mir den Blick für das, was hinter den Dingen auf mich wartet…Und deshalb ist es eigentlich nicht wichtig, wo das biblische Emmaus lag – im Gegenteil: Emmauswege kann man überall gehen, auch in Bornheim und überall auf der Welt. Haben Sie Mut, gehen Sie Ihren Emmausweg, kommen und bleiben Sie im Gespräch, tragen Sie einander im Gespräch, entdecken Sie die andere Perspektive und wagen Sie den lebendig machenden Blickwechsel. Und dann dürfen wir uns fragen: Musste nicht all das geschehen…?

 

Ostermorgen (4. April 2021)

Am ersten Tag der Woche kamen sie in aller Frühe zum Grab,

Als eben die Sonne aufging.

Maria aus Magdala

Maria, die Mutter des Jakobus

Und Salome

Aufgebrochen in der Dunkelheit

Angekommen im Licht

Als eben die Sonne aufging.

Wenn die Nacht der Morgenröte weicht

Den Tag wachküsst

Osterleuchten

das uralte Wunder

Feuer, das nie mehr verlischt

Gloria des einsetzenden Vogelgesangs

Die Glocken in der Ferne

Eingeschwungen

im Windhauch des Lebens

Als eben die Sonne aufging

Auf den Gräbern 

Hoffnungslichter

Tanz der Nachtstille

Deinem Licht entgegen

Werden eins in Dir

Erwartungsvoller Augenblick

Im behutsam zärtlichen Berühren des Tages

Im Herzatem der Schöpfung

Leben

Als eben die Sonne aufging

 

Du umarmst mich

Und ich tauche ein

In Deinen Hoffnungsglanz

Herz an Herz

Darf ich Dich spüren

Erscheinst Du mir

Lässt Du mich aufstehen

Aus meinem Karfreitag

Mit Dir

Als eben die Sonne aufging

Die Liebe bist Du

Sie ist  auferstanden

Die Hoffnung bist Du

Sie ist  auferstanden

wahrhaftig auferstanden

sagt nicht nur die Schrift

Denn:

Als eben die Sonne aufging

Ging mein Herz auf

Für Dich

Angekommen

Ostern

(Ute Trimpert)

 

Frohe und gesegnete Ostern!

Vergessen Sie nicht: Emmaus ist überall!

Seid behütet in allem, was ist.

Ihre und Eure

Ute Trimpert

Für das Pastoral-und Seelsorgeteam des Sendungsraumes Bornheim-Alfter

Fotos: Ute Trimpert (privat)