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14.04.2021 Wochenimpuls

HIER. Bei DIR Wochenimpuls der Hoffnung des Sendungsraumes Alfter Bornheim (PG Alfter, Bornheim An Rhein und Vorgebirge und SB Bornheim-Vorgebirge)

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Im Dunkel unsrer Nacht,

entzünde das Feuer, das nie mehr verlischt

(Taizé)

Foto: privat

Nachtstille

Wenn die Sonne untergeht, es Nacht wird, wenn die Morgenröte den neuen Tag ankündigt, spüre ich den Schöpfungsatem, wie er aus und einatmet, ein ganz eigener Rhythmus – ich fühle Musik mal im crescendo, im decrescendo, piano oder forte, daher manchmal leise, sanft, laut oder doch eher explosiv.  Eine Schöpfungssinfonie - verlässlich darf ich sie hören, verinnerlichen und jeden Tag einen Neuanfang wagen, neu geboren werden. Ich liebe sie - die Nachtstille. Wenn ich den Tag manchmal sehr spät abschließe, ist es der Moment, an dem ich sie zur inneren Stärkung brauche - meine Nachtstille. Schwer zu beschreiben. Meine Nachtstille kann ich hören. Sie ist Musik für mich, eine so ganz andere Stille, die ich in dieser Weise nur in der Nacht spüren kann. Sie ist intensiv, meine kleine Nachtmusik. Und sie stärkt mich. Ich kann über viele Dinge nachdenken, die mich bewegen und bewegt haben. In der Nacht lässt es sich leichter Entscheidungen treffen. Meine Nachtstille umhüllt mich, wie ein Wind und in ihr fühle ich mich sehr geborgen. Das sind bezaubernd schöne, fast magische Momente- Augenblicksmusik. Und es ist immer anders. Im Dunkel der Nacht weiß ich um das Geschenk des Lichtes, so klein es auch sein mag. Das Abbrennen eines Streichholzes zeigt das sehr eindrucksvoll. In der Nacht male ich meine eigenen Bilder, intensive, manchmal überzeichnete Bilder und ich spüre, dass ich mich in der Stille der Nacht so wahrnehmen kann, wie ich bin, pur und die kleinen wie großen Dinge des Tages ganz anders auf mich wirken.  Etwas darf wirken in der Nacht und eröffnet mir die Chance ungeschminkt darauf zu schauen. Es gibt einen sehr schönen Taizésong: „Im Dunkel unsrer Nacht, entzünde das Feuer, das nie mehr verlischt“. Wenn wir dieses Lied in einer fast dunklen Kirche, z.B. in der Osterzeit singen, dann spüren wir etwas von der Dynamik von Dunkelheit und Licht und gleichzeitig erahnen wir etwas von der Stimmung des Gelehrten Nikodemus, der mitten in der Nacht zu Jesus geht und das Gespräch mit ihm sucht. So überliefert es der Evangelist Johannes (Joh 3,7-15). Diese Textstelle, die heute, am Dienstag, den 13. April, Tagesevangelium ist, hat in mir etwas berührt, etwas in Klarheit gebracht. Und dafür bin ich sehr dankbar. Ich kann es mir genau vorstellen, wie Nikodemus in der Nacht zu Jesus kommt. Und ihm all die Fragen stellt, die ihn bewegen. Wie gerne wäre ich heute manchmal an seiner Stelle.

 

Kennen wir das denn nicht auch, wenn man die ganze Nacht im Gespräch vertieft ist, die Zeit vergisst? Während ich das schreibe, muss ich lächeln. Ich fühle mich in meine Studienzeit zurückversetzt. Nächtelange Gespräche, als wir die Sommernächte im philosophischen Gespräch über Gott und die Welt verbracht und zum Tag gemacht haben. Es sind Momente, die man nicht vergisst Und wenn man viele Jahre später an diese Nächte zurückdenkt, dann erinnert man sich an einzelne Worte, Bilder, vielleicht an einen Duft, einen Tanz oder eine Stimmung, die schwebend mit einem durch das ganze Leben gehen, wie ein ewiger Windhauch, der einen zärtlich umgibt. Damals, in jenen Nächten, als etwas Neues begann und blieb, eingehüllt in einen Mantel der Geborgenheit, der das ganze Leben trägt. Das waren und sind Nikodemusgespräche – sie ereignen sich meistens bei Nacht, wenn es in Menschen arbeitet, sie auf der Suche sind. Nachtgedanken haben eine besondere Intensität, weil sie nachwirken und Leben verändern. Im Evangelium heute begegnen wir Nikodemus und seiner Sehnsucht auf eine Antwort seiner drängenden Glaubens -und Lebensfragen. Jesus sagt: „Wundere dich nicht, dass ich dir sagte: Ihr müsst von neuem geboren werden“. Und Nikodemus reagiert genauso, wie ich es wohl auch getan hätte, wenn er sagt: „Wie soll das geschehen? Kann man neu geboren werden?“ Und gibt Jesus dann nicht eine ganz wunderbare Antwort? Er verwendet, so finde ich, ein wunderschönes Bild, gemalt aus Feuer, Geist und Wind: „Der Wind weht, wo er will; du hörst sein Brausen, weißt aber nicht, woher er kommt und wohin er geht. So ist es mit jedem, der aus dem Geist geboren ist“. Ich glaube, die Antwort muss dich und mich finden, sie muss zu uns kommen, wie das Feuer der Geist und der Wind. Sie muss uns berühren und wir das Sausen hören. Dann darf etwas wirken. Aber wann geschieht Berührung, wann höre ich das Brausen und werde ich es überhaupt hören? Mein Versuch einer Antwort könnte die Erfahrung sein, das Leben als Geschenk wahrzunehmen, dass die Liebe, die uns trägt und aus der wir leben ein Geschenk ist, ein Segen. Und es geht noch weiter- wenn ich die Lebendigkeit des Geschenkes spüre, sie zu meinem Motor, meinem Rhythmus wird, ich wirken darf in der Begegnung mit den Menschen, die mich lieben, herausfordern, mir Grenzen aufzeigen, dann höre ich das Brausen- mein richtungsweisendes Signal zum Handeln in Verantwortung für das Leben

 

und die Welt. Ich kann sehen, spüren und erfahren, wie Gott in dieser Welt wirkt und was Gott an mir und für mich und vielleicht auch durch mich tut. Neu geboren werden, im Gespräch bleiben, Fragen stellen, bei Nacht, auch dann, wenn ich das Licht nicht mehr erwarte, Perspektivwechsel wagen, sozusagen mit dem Blick von oben. „Im Dunkel unsrer Nacht, entzünde das Feuer, das nie mehr verlischt“, dem Licht Deiner Liebe Raum geben, einander ein gutes Wort, ein Segen sein, von Herz zu Herz, in der Begegnung mit den Menschen, ist das, was uns trägt. Dann geschieht Ostern, etwas Neues beginnt und ich darf Jesus auch heute meine Fragen stellen.

Seien Sie behütet in allem, was ist.

Ihre und Eure Ute Trimpert, Gemeindereferentin

Für das Pastoral -und Seelsorgeteam des Sendungsraumes Alfter-Bornheim

Alles beginnt mit der Sehnsucht –

von Nelly Sachs

 

Alles beginnt mit der Sehnsucht.

Der blaue Himmel das endlose Band der Straße - der Mensch sieht ein Sinnbild des Lebens darin.

Immer ist im Herzen Raum für mehr, für Schöneres, für Größeres.

Immerfort sich hinstrecken auf ein Kommendes –

Das ist des Menschen Größe und Not.

Sehnsucht nach Verstehen, nach Freundschaft, nach Liebe.

Und wo Sehnsucht sich erfüllt,

dort bricht sie noch stärker auf:

dass es so bleibe, dass es nicht vorübergehe.

Fing nicht auch deine Menschwerdung,

Gott, mit dieser Sehnsucht nach dem Menschen an?

So lass nun unsere Sehnsucht damit anfangen,

dich zu suchen, und lass sie damit enden,

dich gefunden zu haben.

 

Deinen Herzfaden Deinen Hoffnungsfaden Deinen Segensfaden des Lebens